Eine Urlaubsreise mit dem PKW vom 03.06.26 - 31.07.2026
durch
Deutschland - Polen - Litauen - Lettland - Estland - Finnland -
Tschechische Republik
Teilnehmer: Sigrid & Ralf
"Wind of Change"
P r o l o g :
Warum diese Reise?
Ganz einfach: Riga und Tallinn standen schon lange auf unserer Wunschliste - und plötzlich lag der Rest irgendwie dazwischen.
Bis auf Polen und Tschechien waren uns die Länder völlig neu. Mit unserem Auto gut erreichbar, also perfekte Voraussetzungen für eine ausgedehnte Entdeckungstour.
Kurz gesagt: ein bisschen Plan, ein bisschen Zufall - und jede Menge Neugier.
Und los ging's!
1.Tag - Mittwoch, 03.06.26
Dortmund -- Rostock / D
528 Km
"Wer reisen will, muss zunächst Liebe zu Land und Leuten mitbringen.
Zumindest keine Voreingenommenheit." (Theodor Fontane)
Elf Tage nach unserer Radreise haben wir die 2 Räder gegen 4 Räder getauscht.
Diesmal also nicht mit Muskelkraft sondern mit PS.
Abenteuerlust kennt eben keine Pause.
Kurz nach 7 h an diesem grauen Mittwoch Morgen bei 15 Grad ist unser Auto und wir startklar.
470 km in 5 h 9 min trennen uns nur noch von unserem ersten Zielort dieser langen Reise.
Anstatt auf einem "Brooks"-Sattel sitzen wir bequem im Auto.
Ralf ist der Chauffeur / Sigrid die "gelangweilte" Beifahrerin.
Aber: Sigrid hat für die Fahrt vorgesorgt:



Nach 2 Stunden erreichen wir Niedersachsen / später orientieren wir uns Richtung Hamburg.
Ralf entscheidet sich gegen die Fahrt durch den Elbtunnel / setzt den Blinker Richtung Lübeck.
Nach Niedersachsen, Schleswig-Holstein erreichen wir am Mittag Mecklenburg-Vorpommern - das
"Land zum Leben".
Heute ist wohl unser "Hansestadttag" - in Wismar wollen wir uns die Altstadt anschauen.
Ralf hatte bereits das geeignete Parkhaus "Fürstenhof" ausgesucht.
Die erste Stadtbesichtigung dieser Reise gefällt uns gut.
Diese charmante Hansestadt hat Tradition und Witz - siehe die Straßennamen:


Zur Tradition gehört sicherlich das im Jahre 1881 eröffnete Karstadt-Haus - verantwortlich dafür ist Rudolph Karstadt.
Das Gebäude steht immer noch in der Krämerstraße
Nr. 4 / nennt sich nun "GALERIA Wismar".

Schon seit Wochen hat Sigrid Appetit auf ein Fischbrötchen und ein Bier.
"Das bekommen wir doch sicher ganz frisch am Hafen," so Sigrid.
Die frische Seeluft / der Hafen und die schwimmenden Marktstände gefallen uns gut.
Mit unserem Abendessen (2 Matjesbrötchen) verlassen wir den Hafen und später Wismar.

Kurz vor 16 h checken wir im vorgebuchten Hotel
"Sport Forum" in Rostock ein.
Die Übernachtung wurde bereits abgebucht.
Beim Einchecken waren zusätzlich Parkgebühren, Kurtaxe und Frühstück fällig.
Anmerkung: Dieses Hotel war zu DDR-Zeiten ein Sportinternat und Leistungszentrum für den Nachwuchs und Spitzensport.
Auch heute wird hier gelaufen und gesprungen. Uns gefällt, was wir aus unserem Fenster im 8. Stock sehen.

Das Gute ist: die Kurtaxe beinhaltet die Busfahrten.
Mit der "Linie 25" fahren wir an diesem Nachmittag in die City von Rostock.
Für Ralf ist es ein Wiedersehen / für Sigrid ist es Premiere.
Fragt man das Internet´- "Ist Rostock sehenswert?" bekommt man diese Antwort:
"Rostock ist wie ein buntes Mosaik aus Altem und Neuem, aus Großstadt und Natur, aus lebendigem Treiben und entspannender Ruhe. Es ist ein Tor zur Welt und lädt doch alle ein, durch nordisch noble Straßen zu schlendern und die reizvollen Ecken kennenzulernen.
Genau das empfindet Sigrid nach wenigen Minuten in dieser City.




Diesen Abend genießen wir im Zimmer mit unserem "Wismarer Matjes und einem Bier aus Meck-Pom".
Wenn wir auf Reisen fernsehen, dann ist das in der Regel "Aktenzeichen XY ... ungelöst" - so auch an diesem Abend.
Danach ist "daddeldu" (bedeutet in Rostock: jetzt ist es genug)
Unsere heutige Sightseeingtour beenden wir am Hafen.
Ein schöneres Motiv nach diesem Nachmittag kann´s doch kaum geben!


2.Tag - Donnerstag, 04.06.26
Rostock
44,1 Km
WIR.SIND.HANSA" (Motto von Hansa Rostock)
Das Frühstücksbuffet im "Sport Forum" ist das erste Highlight dieses Tages: Ei mit Speck, Müsli mit frischem Obst, eine große Auswahl an Brötchen, Käse und Wurst.
Im Aufzug lernt Sigrid einen jungen Mann kennen, der eine Akkreditierung um den Hals trägt.
Sie kommunizieren in Englisch. Dieser Herr ist aus Serbien für die Veranstaltung "Forst-Vereinstagung" angereist.
Unter dem Motto "Wald - Wasser - Küste bewahren, Zukunft gestalten" treffen sich hier 1000 Teilnehmer aus Forstwirtschaft, Wissenschaft und Politik, um über den Klimawandel und dem Waldumbau zu beraten.
Sigrid erzählt diesem Herrn von unserem Aufenthalt in Serbien vor 2 Jahren. Wahrlich eine nette Begegnung.
Vom Hotel laufen wir ca. 1,3 km zur Haltestelle "Holbeinplatz". Dort steigen wir in die S-Bahn nach Warnemünde ein. Für die Mittagszeit ist Regen angekündigt.

In Warnemünde finden wir endlich die Kreuzfahrtschiffe, die wir gestern vergeblich in Rostock suchten.
Woher sollen wir "Nichtkreuzfahrer" das auch wissen?
Heute verlässt die "AIDAmare" ihren Standort Richtung Dänemark.
Diese Anlegestelle symbolisiert 5 Säulen - sinnbildlich für die 5 Kontinente.

Warnemünde ist tatsächlich ein kleines Juwel.

Sigrid zieht´s (auf dieser Reise nicht nur einmal) nach oben. 3 € Eintritt und nach 155 Stufen liegt ihr Warnemünde "zu Füßen".
Dieses Ostseebad ist nicht nur ein Vorort von Rostock. Es ist ein Tor zur Welt.
Ständig begegnen uns Menschen, die ihre Koffer hinter sich her ziehen.
Kleine Geschäfte und Boutiquen locken diese Urlauber an,
Wir umgehen den Mittagsschauer / fahren zunächst zurück ins Hotel.

Ralf war anlässlich des "G8-Gipfels" im Juni 2007 in Heiligendamm.
Untergebracht war die Polizeitruppe In der Jugendherberge in Warnemünde.
Diese Tage waren für jeden Polizisten eine Herausforderung.
Um so mehr genossen Ralf und seine Kollegen die ruhige / abendliche Stimmung am Strand.
Mit dem Auto machen wir uns auf nach Heiligendamm, dem ältesten Seebadeort Deutschlands.
Wer hat nicht noch die Bilder von wunderschönen weißen Villen, dem Strand und dem riesengroßen Strandkorb vor Augen?
Wir erleben "die weiße Stadt am Meer" an diesem frühen Abend als ziemlich leer.
Liegt´s nicht auch vielleicht an den Preisen?
Direkt an der Steilküste befindet sich das "Alexandrinen-Cottage", das lange Zeit mit einem geforderten Kaufpreis von 40 Millionen Euro als die teuerste Immobilie Deutschlands galt.
Schade, dass wir an diesem Tag nicht hier sind.
Uns hat es hier richtig gut gefallen.


Zum Abendessen brauchen wir Getränke. Sigrid läuft zum nächsten LIDL.
Der Himmel ist zwar blau / aber es schüttet als sie rauskommt.
Dieser Schauer dauert 30 Minuten. Der Schirm liegt im Auto.
Pizza besorgen wir bei DOMINO.
Es ist nicht das erste (aber ab jetzt das letzte) Mal: uns schmeckt die Pizza des angeblichen "Weltmarktführers" überhaupt nicht mehr.

Mit einem letzten Blick auf´s Stadion mit Flutlichtbeleuchtung beenden wir diesen Tag.
Auch wenn wir erst am Anfang dieser Reise sind: diese ersten beiden Tage haben uns richtig gut gefallen.
3.Tag - Freitag, 05.06.26
Rostock - Peenemünde
199,1 Km
"Es ist zum Weinen"
Auf dem Weg nach Peenemünde werden wir an diesem Tag zwei gute Bekannte treffen.
D.h. früh aufstehen / das "Sport Forum" verlassen.
Dieses Hotel zu buchen, war eine richtig gute Entscheidung.


Frühstücken wollen wir unterwegs - wenn's geht am besten in Dierhagen.
Beim Bäcker im EDEKA stärken wir uns an diesem Morgen. Zuerst werden wir recht unfreundlich bedient / dann "schwimmen" unsere belegten Brötchen in Mayo.
In diesem kleinen Ostseebad - am Eingang zur Halbinsel Fischland-Zingst-Darß - sind wir mit Katrin und Grit verabredet.
So schön die beiden wieder zu sehen.
Eigentlich war ein Treffen mit Katrin fürs Ende dieser Tour in Thüringen geplant. So lernen wir diesen Kurort und sein Flair am Hafen kennen,
An diesem Freitag herrscht reges Markttreiben.,
Von Honig, frischem Sanddorn über Selbstgemachtes/-gebasteltes - alles da, was ein Tourist braucht oder auch nicht.
90 Minuten mit den beiden aus Thüringen sind so schnell vorbei.
Dieses wunderbare Foto ist nun auf allen 4 Handys abgespeichert.
Während der Weiterfahrt unterhält uns "Schlagerradio".
In Zingst fahren wir durch / in Greifswald verbringen wir diesen Mittag.
Sigrid recherchierte, dass in Greifswald im Juni die "Bach-Wochen" sind. Leider findet das kollektive Mitsingen jeweils um 18 h statt. Wir sind zu früh.
Vor einem Cafe kommen wir mit 2 Radfahrern (unterwegs auf dem "Oder/Neiße-Radweg") ins Gespräch.
Diese Universitäts- und Hansestadt incl. ihr Hafen haben uns richtig gut gefallen.
Immer wieder begegnen uns unterwegs die originellen Erdbeer-Verkaufshäuschen der "Karl´s Erlebnis-Dörfer".
An diesem Nachmittag landen wir "In der Zwiebel" - einem Hotel mit Restaurant in Peenemünde.
Ralf ist bekannt, dass an diesem Wochenende Peenemünde zu 97 % ausgebucht ist.
Wir wissen nicht, ob es daran liegt, dass dieser Ort mit der deutschen Historie verankert ist oder dass er zur Insel Usedom gehört.
Seit dem Frühstück hatten wir nichts mehr gegessen,.
Um 18 h sitzen wir ausgehungert am Tisch der "Zwiebel".
Woher kommt dieser "Zwiebel"-Ursprung:
Der Name basiert aus der Zeit des Vielrauchens. Den Gästen tränten die Augen.



In unserem maritim "angehauchten" Zimmer geht um 21.40 h das Licht aus.
Morgen widmen wir einen Großteil des Tages der Person "Wernher von Braun".

4.Tag - Samstag, 06.06.26
Peenemünde
19,0 Km
"Himmel oder Hölle"
Das "historisch-technische Museum" in Peenemünde öffnet um 10 h.
Hundegebell und Stimmen von draußen lassen uns vor dem Wecker wach werden.
Zum Frühstücken haben wir somit genügend Zeit. Die "Zwiebel" enttäuscht uns auch nicht mit ihrem Frühstück.

Der kleine Ort Peenemünde hat einiges zu bieten.
Anstatt für die Gegenwart entscheiden wir uns heute für eine Zeitreise.
An diesem Morgen sind wir die ersten zahlenden Besucher im Museum. Tickets bekommen wir in der ehemaligen Bunkerwarte.
Pro Ticket zahlen wir 15 € zzgl. 2,50 € für den Audioguide.
Diese Location und die Story um Wernher von Braun ziehen uns gleich in ihren Bann.

Mit genügend Sonnencreme eingerieben, schauen wir uns erst dieses Areal von außen und dann die Innenausstellung an.
Mit einer Angestellten (seit kurzem berentet und auf Minijob-Basis beschäftigt) kommen wir ins Gespräch.
"Nehmen Sie die Treppe oder den Aufzug," ihre Frage.
Natürlich entscheiden wir uns, den Originalaufzug zu nehmen.
Diese Dame schließt sich uns uns. So erfahren wir Geschichten über ihren Arbeitsplatz / ihr Leben.
"Himmel oder Hölle" - diese Entscheidung musste von Braun treffen, um Geschichte zu schreiben.
Was ist damit gemeint:
Werner von Braun entschied sich im 2. Weltkrieg für die moralisch skrupellose Kooperation mit der SS zur Sicherung seiner Raketenforschung durch KZ-Zwangsarbeiter sowie für die strategische Flucht und Kapitulation von den US-Amerikanern im Jahre 1945.
Wernher von Braun und JF Kennedy kannten sich gut. An Kennedys Vision - der Mondlandung vom 21.7.1969 - war von Braun maßgeblich beteiligt. Die Story um die Apollo 11 veränderte die Welt.
Anmerkung: Wernher von Braun schrieb auf zwei völlig unterschiedlichen und kontroversen Feldern Geschichte.
Er entwickelte im 2. Weltkrieg die als "Vergeltungswaffe 2" (V2) bekannte erste funktionstüchtige Großrakete für das NS-Regime und wurde danach in den USA zum maßgeblichen Wegbereiter der bemannten Raumfahrt sowie der Mondlandung.

Nach mehr als 3 Stunden verlassen wir - ziemlich emotional berührt - diese Ausstellung.
Auf dem Rooftop entsteht dieses "friedliche" Foto von Sigrid.

Nach dieser Zeitreise ist uns nach Kaffee, Kuchen und "easy living".
In der "Hafengalerie" nehmen wir im Strandkorb Platz, ordern unser Essen, genießen das Treiben um uns und die Musik aus einer ganz anderen Zeit (Hildegard Knef, Peter Kraus, Zarah Leander und Hans Albers).




Den Rest dieses Nachmittags nutzt Sigrid auf dem "Zwiebel"-Rasen für eine Yoga-Einheit.
Der "Sonnengruß" verdient an diesem Nachmittag seinen Namen.
Im 7 km entfernten Karlshagen essen wir an diesem Abend in der "Wiesenperle".
Die Eindrücke des heutigen Tages müssen schriftlich erfasst werden - darum kümmert sich Sigrid.
Ralf verfolgt das Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA.

Sigrid wollte diese Reise nicht in ihrem WhatsApp-Status dokomentieren.
"Muss man heute eigentlich "alles" von sich preis geben," so ihre Meinung.
"Man kann ja auch mal seine Meinung ändern. Diese Reise ist so einzigartig und interessant. Und warum soll "Hinz und Kunz" nicht mitreisen," ihre Schlussfolgerung.
Im Nachhinein ist sie froh darüber. Zu vielen entsteht so ein reger Kontakt / Austausch über deren Familie / Reisen.
In ihrem WhatsApp-Status sieht Sigrid an diesem Abend, dass viele Freunde / Bekannte beim Robbie Williams-Konzert in Düsseldorf sind.
5.Tag - Sonntag, 07.06.26
Peenemünde / D -- Grzybowo / PL
199,0 Km
"Du hast den Farbfilm vergessen"
Heute verlassen wir Deutschland / es geht nach Polen, ein Land, welches wir sehr mögen.
Beim Frühstück in der "Zwiebel" kommen wir mit 2 Radfahrern aus Bamberg ins Gespräch.
An diesem Tag beneiden wir keinen Freizeitsportler.
Es regnet.
Beim Verlassen von Peenemünde halten wir auf einem Parkplatz an einer befahrenen Straße.
Gegenüber finden wir Pfade, die jeweils zu einem Meerabschnitt führen.
Erst zieht´s Ralf an´s Wasser / dann Sigrid.
Trotz grauem Himmel - diese kleine Meeresauszeit hat sich gelohnt.



Der eine fährt / die andere ist mit WhatsApp und ihrem Tagebuch beschäftigt.
Inzwischen weiß auch Sigrids "WhatsApp-Community", dass wir wieder unterwegs sind / wo wir gerade sind.
Von einer Freundin (urlaubt gerade an der Nordsee) erfahren wir, dass ihr Opa im 2. Weltkrieg als Sattler (Flugzeugsitze) in Peenemünde beschäftigt war.
Noch unterhält uns Schlager-Radio mit deutschen Evergreens und aktuellen Songs.
Bei der Hörerfrage (die zunächst keiner lösen kann) hören wir hin:
"Es geht nur ein einziger Mann in die Stadt.
2 Frauen, 4 Kinder und 2 Hunde kommen ihm entgegen.
Wie viele Beine gehen in die Stadt?"
Sigrid will lösen / ruft an / wird aus der Warteschleife rausgeworfen.
Die Antwort gibts am Ende dieses Tages - wer von Euch weiß es?

Am Ortseingang von Zinnewitz stehen wir minutenlang an einer Baustellenampel. Weiter gehts durch den bekannten Touristenort Heringsdorf.
Wenige Minuten später erreichen wir Polen.
Und was sieht man in der Regel bei Einreisen nach Polen: "Polenmärkte!"
Adieu Deutschland - in 7 Wochen sehen "wir" uns wieder.
In Swinemünde wollen wir pausieren / Zloty abheben.
Aufgrund Starkregen fällt das Sightseeing aus / wir sehen uns nach einem ATM um.
Ralf parkt / Sigrid sucht den Automaten.
Sie hat eine polnische Übersetzung (für alle Fälle) vorbereitet / spricht einen jungen Mann an.
Er versteht kein polnisch (da Ukrainer) / weiß aber, wo sie Geld abheben kann.
Anmerkung: 400 Zloty (93,04 €) kosten 21,15 Zloty (4,92 €) Transaktionsgebühr.


Weiter gehts durch den Swiene-Tunnel - ähnlich dem Hamburger Elbtunnel.
"Über uns die Sonne," dieser Titel läuft beim fröhlichen Sender.
Der nächste Song "Du hast den Farbfilm vergessen" von Nina Hagen passt derzeit besser.
Für uns gehts Richtung Kolberg über die 102 - eine Teilstrecke ist aktuell gesperrt. Der Umweg "kostet" uns 20 km.
Gerade fahren wir durch Pobierowo / als Sigrid in der BILD liest:
"BILD erklärt das neue Mega-Hotel an der Ostsee".
Da wollen wir doch gleich den Standort erkunden / zumal dieses Hotel in dieser Woche eröffnet wird.
Die Bauzeit ging über 6 Jahre / der Bauherr ist inzwischen verstorben.
Dieses umstrittene Projekt mit 13 Stockwerken / über 1.200 Zimmern und Platz für bis zu 3.000 Gästen gilt als das größte Hotel an der Ostsee.
Wir haben's nicht besucht / gefunden.
Um Kosten zu reduzieren / möglichst viel zu sehen hat Ralf in Google Maps "kostenpflichtige Autobahnen" gesperrt.
Weiter gehts durch "Small Town Poland".
Auf der 6 fahren wir Richtung Danzig / tanken zum ersten Mal nach ca. 900 km.
Umgerechnet zahlen wir 1,39 €/l.
Kolberg wollen wir uns anschauen. Wir können kostenlos parken / laufen ca. 2 km zum recht belebten Hafen.
Die City lassen wir aus.
Hier ist die polnische Bezeichnung des Ortes:

Impressionen aus Kolberg, einem der beliebtesten Badeorte Polens.
"In ca. 1 Stunde sind wir bei Ihnen," so kündigt uns Ralf telefonisch bei unseren Vermietern an.
Freundlich empfängt uns der "Herr des Hauses" / weist uns ein / erklärt uns die Gemeinschaftsküche.
Schön, dass wir während "unserer" Zeit die einzigen Gäste
sind.

Uns ist bekannt, dass polnische Restaurants recht früh schließen.
In einem überdachten Imbiss lassen wir es uns mit "Fish and Chips" gut gehen.
Nach stundenlanger Autofahrt brauchen wir Bewegung / laufen zum Meer und zurück zum Apartment.
Nach jeweils fast 15.000 Schritten auf unseren Fitnesstrackern beenden wir diesen Tag in der Horizontalen.
Auflösung: 2 Beine (die des Mannes)
6.Tag - Montag, 08.06.26
Grzybowo / PL
13,4 Km
"Nach 5 Tagen Regen haben wir den Sommer endlich gefunden.
Er versteckte sich hinter einem Windschutz an der polnischen Ostsee."
Vielleicht liegt es am Namen unserer Pension - "Villa Sol".
Tatsächlich: die Sonne scheint bereits an diesem Morgen.
Sigrid hatte gestern in Kolberg Brot besorgt. Die Reste stammen noch aus unserem heimischen Kühlschrank.
Alles weitere für unser Frühstück finden wir in der Gemeinschaftsküche.
Eigentlich wäre heute Kolberg auf unserem Programm. Wir sind froh darüber, dass wir unseren gestrigen Besuch bereits absolviert haben. So haben wir heute "Strandzeit".
Mit dem Auto fahren wir zu einem kostenlosen Parkplatz / direkt an einem Strandabschnitt gelegen.
"Wie in einem Märchenwald mit Händel und Gretel" denkt Sigrid, als wir durch einen Pinienwald zum Beach laufen.
"Bitte bleib stehen," ruft Sigrid Ralf zu.
Durch die Handykamera sieht sie die Umgebung in einem ganz besonderen Licht.
Hier ist das Ergebnis!
Dann auch noch schnell eins mit Sigrid!


Dank unserer umsichtigen Vermieter müssen wir uns keine Sorgen um zu viel Wind machen.
Ralf auf der Suche nach einem geeigneten "Platz an der Sonne"
Die ersten Stunden am Strand verbringen wir mit Lesen / fotografieren und videographieren.


Im Supermarkt POLO decken wir uns fürs Abendessen ein: Bockwürstchen und Baguette.
Auf Reisen schreiben wir jeden Betrag auf, damit wir nicht den (finanziellen) Überblick verlieren.
An diesem Tag geben wir nur 8 € aus.
Auch heute: unser Instagramaccount "rasidoontour" muss von gestern und heute bestückt werden.
Wie schön die polnische Ostseeküste am Abend ist, das wollen wir auf jeden Fall erleben.
Und nochmal geht´s am Abend mit dem Auto zu dem uns mittlerweile bekannten Strandabschnitt.



Auf dem "Nachhauseweg" finden wir noch den Schriftzug dieses Ortes, der für uns ziemlich schwer auszusprechen ist.
7.Tag - Dienstag, 09.06.26
Grzybowo / PL -- Łebą / PL
227,6 Km
"Am besten schmeckt´s, wenn's allen schmeckt" (Slogan Rügenwalder Mühle)
Beim Verlassen des Apartments treffen wir erneut auf unseren Vermieter. Wir wollen wissen, wo wir den Schlüssel deponieren sollen.
"Legen Sie ihn einfach in die Konsole im Flur. Wenn Sie zufrieden waren, würden wir uns über eine gute Bewertung freuen," seine Antwort.
Die wird diese Familie von uns bekommen. Vom Boden hätten wir dort essen können - polnische Gründlichkeit eben.
An diesem Morgen übernimmt Sigrid von Ralf die "Tageserkennung für Fotos" - täglich kommen so viele Fotos / Videos zustande, dass man schnell den Überblick verliert.
Um nach Leba (und vorher nach Darlowo) zu kommen, gehts erstmal Richtung Kolberg.
An einem Bahnübergang warten wir einen Zug ab / dieser ist mit der Aufschrift "Hybrida" versehen.
"Sind wir wieder in Deutschland?"
Ein Einkaufszentrum nach dem anderen - bestückt mit LIDL, Netto, ALDI, Rossmann, Douglas und New Yorker.
Über die "203" fahren wir Richtung Darlowo - ehemals Rügenwalde.
Hier wollen wir uns u.a. die "Wiege der deutschen Teewurst" ansehen.
Und tatsächlich: Wir stehen vor dem Gebäude, wo 1834 der Fleischermeister Carl Müller die Metzergie gründete, die für ihre Teewurst bekannt wurde. Die berühmte rote Mühle als Logo entstand, weil seine Frau Alwine zur Unterscheidung von anderen Fleischern eine Mühle auf die Wurst zeichnete.
Der Rest ist "deutsche" Unternehmergeschichte.
Nach dem 2. Weltkrieg verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Bad Zwischenahn in Niedersachsen.
Wundert Ihr Euch nicht über den Namen dieser Wurst?
Die Teewurst hat ihren Namen nicht, weil Tee in ihr steckt. Man aß die streichzarte Wurst auf Brot am Nachmittag zur gewohnten Teezeit - ähnlich wie heute das Teegebäck.


Gegenüber dieses Hauses lernen wir ein Paar aus Alberta/Kananda mit ihren Rädern (gut bestückt mit Ortlieb-Taschen) kennen.
Mit ihm unterhalten wir uns auf englisch / mit ihr auf deutsch.
Sie wuchs im Rheinland auf.
Gestartet sind sie mit ihren Rädern in Berlin. Budapest, Wien und München stehen noch auf ihrem Programm.
Vom "Franz Josef Strauß-Airport" gehts in 7 Wochen zurück nach Kanada.
Und wieder öffnet der Himmel seine Pforten. Wir schaffen es gerade noch trocken zum Auto.
Einige Impressionen aus Darlowo:
Bis zum Einchecken in Leba haben wir noch Zeit.
Unterwegs wollten wir uns das Museumsdorf in Kluki anschauen.
Aufgrund von Dauerregen lassen wir dieses aus.
Dem "Historic Camp", dass auf dem Weg liegt,statten wir dafür unseren Besuch ab.
Zu dieser Anlage gehört ein Cafe. Ralf liest "Lody, Gofry ...."l
"Gofry - das sind die leckeren polnischen Waffeln," so Ralf.
Seit einer Polenradtour schwärmt er von diesen dick belegten Waffeln.
Heute lernt auch Sigrid diese mit Früchten und dick Sahne belegten Kalorienbomben kennen.
In Polen schätzt man gutes/deftiges Essen.


Und draußen dampft die Gulaschkanone mit Erbsensuppe.
Im "Camp" laufen Louis Armstrongs "Wonderful world" und im Anschluss darauf "Lemmon tree" von Fools Garden.
Sigrid fragt den supernetten Kellner nach dem Radiosender.
"Das ist meine Playlist bei Spotify," seine Antwort.
Sigrid will von ihm wissen, welche Musik derzeit in Polen gehört wird.
"Rap!" Sigrid hätte auf Heavy Metall getippt.
Im Auto sendet Sigrid Agi, Denis und Renate Grüße. Alle haben polnische Wurzeln / wurden in Deutschland geboren.
Vom "Camp" bis nach Leba verbleiben (regnerische)
53 km.
Bis wir unser Mini-Apartment in Leba finden, dauert es.
Laut Google Maps sind wir ganz nah dran.
Nahe dem Fluss Leba ist unser neues Zuhause - genannt "Dune".
Sofort nach unserer Auspackaktion setzt der nächste Schauer ein.


Mit unserem Stockschirm - mit lauter Dortmunder Motiven - machen wir uns zu einem Spaziergang und zum Abendessen auf.
Morgen ist Wandertag - hoffentlich im Trockenen.

8.Tag - Mittwoch, 10.06.26
Łebą / PL
0 Km
"Heute Wüste, morgen Muskelkater"
U.a. mit vielen Nährstoffen (LaVita Nährstoffkonzentrat) zum Frühstück machen wir uns an diesem Morgen auf zur Wanderdüne von Leba - im Slowinski Nationalpark.
Für diesen Ausflug hatten wir uns schlau gemacht:
"Die riesige Wanderdüne "Lontzkedüne" im o.g. Nationalpark ist bis zu 45 Meter hoch und wandert jährlich bis zu 10 Meter ostwärts.
Die beeindruckende Sandlandschaft / genannt die polnische Sahara / liegt knapp 8 km westlich von Leba und ist ein absolutes Highlight an der polnischen Ostseeküste.

Als Ausrüstung wird empfohlen, ausreichende Wasser, Sonnenschutz und festes Schuhwerk (oder barfuß) mitzunehmen, da es vor Ort kaum Schatten gibt.
In einem Reisebericht lesen wir, dass der Sand wie zarter / goldener Mehlstaub zwischen den Fingern rieselt.
Experten vermuten sogar, dass diese Wanderdünen die Stadt Leba in ungefähr 400 Jahren begraben werden.
Zum ersten Mal kommen unsere neuen Adidas-Rucksäcke zum Einsatz.
Vom Apartment bis zum Ticketschalter laufen wir 3 km zu Fuß - teilweise durch ruhige Waldgebiete.
Ralf gehts heute morgen nicht so gut. Im Park-Restaurant bestellt Sigrid 2 Gofry und 2 Kakao - heute allerdings ohne Obst und Schlagobers.
Mit einem elektrischen Pendelbus lassen wir uns bis unmittelbar zu den über 40 m hohen Dünen fahren.
Der Fahrpreis ist zwar hoch / aber zusätzliche 5 km (eine Fahrt) wollen wir an diesem Tag nicht laufen.


Was wir nun zu sehen bekommen, ist ein Wunder der Natur.
Viele Schulklasse (auch aus Deutschland), viele Menschen (wir hören nicht nur polnisch) wollen sich hier verzaubern lassen.
Hat man an diesem Tag eine LIDL-Tüte, kann man problemlos den Hügel runter rutschen.
Impressionen unseres Ausflugs der ganz besonderen Art!
Diesen Nachmittag widmen wir uns erst der Pflicht (schreiben, lesen, posten) / dann der Kür (wir pennen).
Heute Abend schauen wir uns mal die andere Cityhälfte von Leba an.
Leba ist schon ein richtiges Touristenörtchen. Das sieht man an der Vielzahl der kleinen Geschäfte und der großen Anzahl an Gastronomie.
Im Restaurant "Papaj" essen wir Pizza (Ralf hat die Kaschubische Variante und Sigrid die mit Gyros und Käse).
Der Kellner dort spricht akzentfreies Englisch.
"Wo hast Du das gelernt," fragt ihn Sigrid.
"In der Schule und von Computerspielen!"
Trotz Mittagsschläfchen: an diesem Abend sind wir platt.
Bevor wir uns hinlegen, verstauen wir einen Teil unseres Gepäcks im Auto.
Die Wetteraussichten sind - wie gewohnt - nicht gut.
Aber good news gibts für uns: Ein Wiedersehen mit Danzig!
9.Tag - Donnerstag, 11.06.26
Łebą / PL -- Danzig / PL
208 Km
"Die Welt ist unser Spielfeld"
Dieser Tag verspricht eine Regenwahrscheinlichkeit von 100 %.
Laut Google sei Leba mit der beliebteste Ort in Polen / zudem einer der attraktivsten Badeorte des Landes.
Kurz nach 9 h lassen wir Leba hinter uns.
Zunächst fahren wir entlang der 213 - Richtung Puck.
Trotz schlechtem Wetter (Regen und 11,5 Grad) wollen wir zur Halbinsel Hel.
Wir verlassen das Festland, fahren auf dem "Highway to hel" - für uns heute ein Umweg von 30 km hin und 30 km zurück.
Über die Anzeige von Google Maps können wir jeweils sehen, wie nah wir am Meer sind.

"Bei schönem Wetter kann man von hier bis Danzig sehen," weiß Ralf, der an diesem Morgen sehr konzentriert fährt.
Doch der Wettergott meinte es mal wieder anders.
Es wurde sogar gefährlich!
Bevor wir Hel erreichen, halten wir an einem Waldweg - besuchen unsere erste Bunkeranlage "Muzeum Obrony Wybrzeza" auf dieser Reise.
Weiter gehts zum Ort Hel / wir drehen und treten die weitere Fahrt nach Danzig an. Hel schauen wir uns aufgrund des Starkregens nicht mehr an.
Wir haben gelesen, dass Flixbus ab diesem Monat Fahrten nach Hel anbietet - allerdings von Krakau aus.

Einen Zwischenstopp machen wir noch - in Sopot - steigen aber wegen Regen nicht aus.
Ralf war bereits während einer Radtour dort / Sigrid "kennt" diesen Ort durch die Serie "Rote Rosen".
Dass dieser Ort ein Touristenmagnet ist, merken wir an der Vielzahl der Busse.
In einem LIDL - kurz vor Danzig - decken wir uns mit Einkäufen für unsere "Danzig-Zeit" ein.
Das geräumige Apartment in einem Altbau mit Balkon (Blick auf die Kräne der Werft) gefällt uns.
Anstatt einer Waschmaschine (wäre nicht schlecht gewesen) haben wir eine Spülmaschine.
Ralf freut sich auf die Eröffnungsfeier der WM in Amerika.
Am Anfang schaut Sigrid zu, verabschiedet sich nach einer Zeit, da ihr diese Übertragung überhaupt nicht zusagt.
Später berichtet die BILD über diese verpatzte "Feier".
Dennoch: schön, dass die "König" Fußball die Welt für paar Wochen zusammenhält.
10.Tag - Freitag, 12.06.26
Danzig / PL
20,3 Km
"Was sein wird, wird sein" (übersetzt "Que será")
Nach zahlreichen Regentagen haben wir das Universum angerufen. Und siehe an - wir werden durch die Sonne geweckt.
Auf unserem Tagesprogramm steht die "Westerplatte".
Anmerkung: Die Westerplatte ist eine Halbinsel bei Danzig. Sie wurde am 1. September 1939 durch den Angriff des deutschen Panzerschiffs "Schleswig-Holstein" auf ein polnisches Munitionslager weltberühmt. Dieser Angriff markierte den Beginn des 2. Weltkrieges.
Am "Museum der Westerplatte" parken wir, machen uns auf den Weg zum Denkmal.
Für´s Parken zahlen wir umgerechnet 2 €.
Impressionen dieses Besuches, der mit einem kurzen Abstecher am Meer endet.
Sigrid recherchierte im Internet die derzeit beliebtesten Berufe in Polen: Jobs im IT-Bereich
Dass Polen "gut aufgestellt" ist, merken wir hier. Beim Reinfahren erkennt das System unser Kennzeichen.
Am Bezahlautomaten gibt man dieses Kennzeichen ein / hält die Scheckkarte dran und bei Anforderung geht die Schranke auf.
Auf dem Weg nach Danzig kommen wir am Stadion des Fußballvereins "Lechia Gdansk" vorbei.


An diesem Nachmittag fahren wir mit der "Linie 6" in die City von Danzig. Gegenüber einem "Rossmann" steigen wir aus - das Gebäude und die in unmittelbarer Nachbarschaft sehen nicht unbedingt schön aus.
"Sollte sich auch Danzig negativ verändert haben," fragen wir uns.
Ein Plakat weist auf eine Richard-Wagner-Inszenierung Anfang Juli anlässliches des "Baltic Opera Festivals" in der historischen Waldoper in Sopot hin.
Einer der Sänger ist der deutsche Renè Pape, bereits zweimal mit dem Grammy Award ausgezeichnet.
Später lesen wir, dass Herr Pape für seine stimmliche Autorität, die profunde Tiefe seines Basses und seine markante Bühnenpräsenz für diesen Abend gewürdigt wurde.
Mit Ehrfurcht durchlaufen wir das Langgassentour, das Tor in eine Innenstadt, die nicht schöner sein kann.
Anmerkung: Im 2. Weltkrieg wurde Danzig weitestgehend zerstört und erst 1957 wieder originalgetreu aufgebaut.
Es ist Sigrids 2. und Ralf 3. Besuch in dieser wunderschönen Stadt / ihren Häusern mit den "Beischlägen" (kunstvollen Freitreppen).
Unsere Liebeserklärung an diese Stadt:
Danzig ist eine goldschimmernde Backstein-Schönheit an der Ostsee, in der gotische Gassen nach Bernstein duften, Meeresbrisen durch Hanse-Toure wehen und die Werfttore den Lauf der Weltgeschichte veränderten - maritim, stolz und auferstanden aus Ruinen.
Ein Saxophonist spielt "que será" / Galeeren befördern Passagiere aus der ganzen Welt / jeder scheint sich in dieser Stadt wohl zu fühlen.
Auf dem Rückweg sind wir auf den Spuren des "Nationalhelden" Lech Walesa unterwegs.
Dieser Elektriker führte 1980 den historischen Streik auf der Lenin-Werft in Danzig an, unterzeichnete das Danziger Abkommen und gründete die Gewerkschaft "Solidarnošć".
"Heute" trägt der Danziger Flughafen seinen Namen.
Und diese Skulptur erinnert an die polnische Unabhängigkeit.
Eine nachmittägliche Regenpause verbringen wir unter einem Schirm im Biergarten, mit Blick auf diese "Independent"-Statue.

Auf dem Rückweg besorgen wir Zutaten für "Spaghetti Carbonara".
Was für ein Tag: Danzig - eine Stadt mit Historie und Coolness.

11.Tag - Samstag, 13.06.26
Danzig / PL
0 Km
"Ein polnisches Märchen"
Regen am Morgen "verdammt" uns zum längeren Frühstück.
Es ist bereits halb 11, als wir uns auf den Weg zum "Museum des 2. Weltkrieges" aufmachen.
Im vergangenen Jahr hatten wir anlässlich unserer "Tour de France"-Radreise das "Cite de Vin" (wohl das beste Wein-Museum weltweit) in Bordeaux besucht / waren restlos begeistert.
Was erwartet uns heute?
Dieses Museum lohnt sich von innen, weil die 14 Meter unter der Erde liegende Hauptausstellung die Schrecken des Krieges aus der Sicht der Zivilbevölkerung und weltweit greifbar macht, statt nur puren Heldenmut zu zeigen.
Der moderne / schräge Gebäudebau bietet zudem eine eindrucksvolle Architektur und führt uns auf emotional starke Weise durch die Geschichte.
Am Notizbaum (was für eine schöne Idee!) hängt ab sofort auch eine Message von uns.
Gestern liefen wir bereits an diesem "schiefen Gebäude" vorbei, ahnten nicht, wie eindrucksvoll und liebevoll diese Ausstellung ist.
Gott sei Dank googelte Sigrid dieses Gebäude / las die "Story behind".
Nach 2 Stunden hat das Tageslicht / die Normalität uns wieder.
Noch einmal wollen wir in die Altstadt und zum Hafen.
"Vielleicht treffen wir hier Anna und Gerald hier," so Sigrid.
Beide wanderten im vergangenen Jahr aus Namibia nach Polen (Annas Heimat) aus / leben in der Nähe von Danzig.
Getroffen haben wir dieses Paar nicht - leider!
Im vorgenannten Museum ging's in die Tiefe / nun gehts nach oben: 400 Stufen in der Marienkirche.
Belohnt werden wir mit einem Panoramablick über Danzig.
Es geht zurück.
Über uns sehen wir ständig Flugzeuge.
Anmerkung: 7 bis 10 mal wöchentlich fliegt der Flughafen Dortmund Danzig an.
Im Apartment treffen wir Vorbereitungen für die nächsten beiden Tage / lesen uns in die Historie einer ganz besonderen Burg ein.
Wer weiß: vielleicht kommen wir wieder zur Vorweihnachtszeit - der Danziger Weihnachtsmarkt (in diesem Jahr vom 22.11. bis 23.12.) wurde mehrfach als bester Europas ausgezeichnet.

12.Tag - Sonntag, 14.06.26
Danzig / PL -- Malbork / PL
89,0 Km
"Build Your Dreams" (Übersetzung von BYD Auto)
Die bisher kürzeste Etappe steht an.
Nicht nur Danzig gefiel uns richtig gut sondern auch unser Apartment mit Balkon und Parkplatz.
Bevor wir kurz nach 9 h unsere "5-Sterne-Wohnung verlassen, hören wir auf RadioZET die aktuellen Nachrichten.
Aus Donald Trump wird in Polen Donald Trampa.
Auf dem Weg nach Malbork machen wir einen Umweg und einen Stop in Sopot.
Dass dieser Ort die "Riviera des Nordens" bezeichnet wird, dem können wir nur zustimmen.
Seeseits ist Sopot ziemlich mondän.
Bei Ralfs erstem Besuch war die Seebrücke - das Wahrzeichen Sopot´s - kostenlos / inzwischen kostet ein Spaziergang entlang dieser Brücke 10 Zloty.
Sigrid zahlt / lässt sich Zeit für ihren Spaziergang.
So gerne hätte sie bei dieser Aerobic-Truppe mitgemacht.
Die maritime Atmosphäre ist herrlich / die Segelboote haben an diesem Morgen optimale Bedingungen.
Anmerkung: Sopot ist ein staatlich anerkannter Kurort mit Heilwasserquellen und spezialisierten Kurhotels.

Wir fahren entlang der 6 / wechseln später auf die 91.
Unterwegs sehen wir ein Autohaus nach dem anderen mit Modellen von AUDI, VW, CUPRA und BYD.
In Tczew überqueren wir die Weichsel.
Bei Regen kommen wir in Malbork an.
Bis wird an unserer Wohnanlage sind dauert es / eine Großbaustelle verhindert die direkte Zufahrt.
Zwei Stunden sind wir zu früh / probieren trotzdem unser Glück.
Bereits im Treppenhaus hören wir ein Staubsaugergeräusch, kommend aus "unserer" Wohnung.
So lernen wir unsere Vermieter kennen.
"Wir melden uns telefonisch bei Ihnen, wenn das Apartment bezugsbereit ist. Kommen Sie kurz rein, ich erkläre Ihnen den "Melitta"-Kaffeevollautomaten," so der Herr des Hauses.
Mit dieser Wartezeit haben wir kein Problem.
Im Café "Po Lodzie" ordern wir 2 Kaffee und 2 Gofry - Ihr wisst, diese herrlichen polnischen Waffeln.
Und diese sind hier der Hammer: erst die Waffel, dann eine dicke Schicht Nutella, verschiedene Obstsorten und dick Sahne.
Sigrid haut sich diese rein / beschließt danach einen "Waffelstillstand".


Eine gutangezogene Dame nach der anderen sitzt im "Po Lodzie".
Sigrid möchte wissen, wo diese Fashionistas einkaufen: Einzelhandel oder Internet.
Sie spricht 2 äußerst gutbekleidete Paare an.
"Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe, ich hätte mal eine Frage ....".
"Wir können uns auf Deutsch unterhalten," bietet Jacek an.
Er und seine Frau Agnieszka leben in Bayern, freuen sich sogar auf dieses Frage-/Antwortspiel auf deutsch.
Agnieszka widmet sich gleich unserer Homepage / drückt Sigrid eine Visitenkarte in die Hand.
Die Kontaktdaten sind ausgetauscht.
Beide werden wir nach Fertigstellung dieses Reiseberichtes informieren,
Übrigens: Agnieszka stöbert gerne in Second-Hand-Läden.
Schön, Euch kennen gelernt zu haben.

Unser Apartment wird freigegeben.
Vom ersten Moment an fühlen wir uns in dieser 40 qm-Wohlfühloase wohl.
Nicht umsonst ist die Bewertung bei booking.com 9,7.
Bald läuft die erste Waschmaschine auf dieser Reise.

Inzwischen recherchiert Ralf, dass die "Marienburg" (die größte Backstein-Burganlage der Welt) montags nur von außen zu besichtigen ist.
Uns interessiert die komplette Anlage.
Es ist noch genügend Zeit / die Anlage befindet sich in unserer Nachbarschaft.
Bereits von weitem / später von außen und von innen / sogar bei Dunkelheit - die "Marienburg" ist mit schätzungsweise über 30 Millionen roten Ziegelsteinen quasi das mittelalterliche "Lego"-Großprojekt der Kreuzritter.
Heute ist die Burg ein riesiges UNESCO-Weltkulturerbe, in dem sich Touristen (700.000 pro Jahr) so lange verlaufen, bis sie fast selbst anfangen, Kreuzzüge zu planen.
Mit einem Audioguide gehts los.
Impressionen, die wir in 3 Stunden am Nachmittag sammelten!

Zu diesem Abend gehören Schmalzbutterbrote, Bier und natürlich das Auftaktspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen das Team aus Curaçao.
Sigrid nutzt die Halbzeit für dieses KI-Foto.
Nach dem "7:1-Rausch" ziehts uns bei Dunkelheit erneut zum "roten Atlantis".
Dieses architektonische Weltwunder (errichtet 1274 vom Deutschen Orden) ist zu jeder Tages-/Nachzeit ein Prachtexemplar.
Die im 2. Weltkrieg stark zerstörte Anlage wurde detailgetreu wiederaufgebaut.
13.Tag - Montag, 15.06.26
Malbork / PL
0 Km
"Burgfrieden"
Mit unserem Frühstück können wir uns Zeit lassen.
Ratet mal warum?
Inzwischen läuft die 3. Waschmaschine.
Zwischen zwei Regenschauern wagen wir einen Citybummel.
Sigrid sucht eine "Rossmann"-Drogerie. Diese finden wir in einer Mail - direkt gegenüber einem Schuhgeschäft.
Mit 2 Tüten gehts "nach Hause" - Sigrid mit ihren Produkten / Ralf mit neuen Trekkingsandalen.
Bei einem "China-Imbiss" nehmen wir einen Flyer mit.
Diesen Nachmittag verbringen wir - wie so oft - mit Recherche / schreiben und veröffentlichen.

Und an unserem letzten Abend in Malbork zieht es uns erneut zur Burg.
Satz aus dem Internet: Diese Burg wirkt im tiefen Winter-Schnee völlig anders als im Sommer oder bei der nächtlichen Außenbeleuchtung.
Unsere Wäsche ist sauber / mit unseren Accounts sind wir tagesaktuell / Zeit zum Aufbruch.
Wir freuen uns auf eine Stadt, die während unserer Radtour durch die Masuren großen Eindruck bei uns hinterlassen hat.
14.Tag - Dienstag, 16.06.26
Malbork / PL -- Elblag / PL
137,5 Km
"Kann bitte jemand die Zeit anhalten? Wir sind gerade beschäftigt mit Glücklichsein."
Noch einmal den Kaffee von "Melitta" genießen.
Um 10.30 h ziehen wir die Wohnungstür hinter uns zu. Die zwei abwechslungsreichen Tage in Malbork haben uns richtig gut gefallen,.
Beim Verlassen dieser Stadt überqueren wir die "Nogat".
Anmerkung: die "Nogat" ist ein 62 km langer Mündungsarm der Weichsel, der in den Südwestteil des "Frischen Haffs" mündet.
Die "Lagune" liegt im Sandwich zur Ostsee.
Und genau dort wollen wir hin - nehmen dafür einen fast 80 km Umweg in Kauf.
Die guten Nachrichten gehen weiter: es sind 18 Grad und blauer Himmel / Ralfs Playlist kommt zum Einsatz.
Frank Sinatra mit "My way" startet.


Ralf fährt Landstraße. Ist jemand hinter uns, fährt Ralf rechts ran / lässt überholen.
Ca. 60 Minuten nach Abfahrt parken wir an einem - im Vorfeld von Ralf rausgesuchten - Parkplatz in unmittelbarer Nähe zur Ostsee.
Gerade mal 7,5 km sind's von hier bis zur polnisch-russischen Grenze.
Den Spaziergang durch einen Wald erinnert Sigrid an unsere Zeit im Grand Canyon.
Uns fällt ein Camper mit Dortmunder Kennzeichen auf. Mit deren Besitzer Johanna und Artur kommen wir ins Gespräch / berichten diesen gebürtigen Polen von unserer Begeisterung für deren Heimatland.
Nach Grzybowo ist es das zweite Mal auf dieser Reise, dass wir den warmen Ostseesand unter unserer Füßen spüren.
Bei der Hinfahrt hatte Sigrid diverse Boutigen entlang der "Mainstreet" gesehen.
Der Bummel fällt aus / uns waren die Parkgebühren zu hoch.
Da wir 2 Stunden eher unser Apartment beziehen können, fahren wir gleich durch nach Elblag.
Und das über teilweise holprige Straßen.
Grund dafür: Ralf sperrte Google.maps für die Schnellstraßen. So gehts ca. 35 km lang durch "Small Town Poland".
Unweit des Flusses "Elblag" ist unsere Unterkunft. Und wieder haben wir Glück mit "Schöner Wohnen".
Morgen werden wir das nachholen, was wir während unseres ersten Aufenthalts in Elblag nicht geschafft haben.
Im Ticketshop besorgen wir unsere Fahrkarten für die "Schifffahrt über die Wiesen".
"Kapitän" Ralf ist bereits voller Vorfreude.


In einem kleinen "Zabka" *** besorgt Sigrid, was wir für unser Abendessen brauchen - u.a. eine Avocado.
Sie hat erstmal genug von Fast Food.
*** Ständig begegnen uns diese kleinen Supermärkte, die von der polnischen Bevölkerung richtig gut angenommen werden - quasi wie ein größerer Kiosk.
Die Zabka Group S.A. ein ein polnisches Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in Luxemburg (Stadt).
Darüber staunen wir.
Morgen früh um 9.30 h heißt es: "Leinen los!"
Und darauf freuen wir uns richtig.
15.Tag - Mittwoch, 17.06.26
Elblag / PL
0 Km
"Wo Schiffe über Berge rollen"
Um 9.08 h zeigen wir dem Käptn unsere Tickets. Das Schiff scheint "fully booked".
9.30 h heißt es "Leinen los"
Auf was haben wir uns "hier" eingelassen:
Der Oberländische Kanal ist eine der größten Sehenswürdigkeiten im Hinterland von Danzig. Was einst für den Transport für Waren erbaut wurde, ist heute ein Riesenspaß für Touristen: denn die Boote rollen auf Loren die Hügel rauf.
Dieser Kanal wurde 1860 eingeweiht / ist ein Zeugnis deutscher Ingenieurskunst.


Wir gleiten auf dem "Oberländischen Kanal" erst gemütlich durch unberührte Natur und dann erleben wir den absoluten Knaller: das Schiff wird auf historischen Rollwagen tatsächlich über grüne Wiesen und Bergauf-Schienen gezogen.
Das ist echtes Schiffs-Bergsteigen mit Wasserkraft und ein absolut einmaliges Erlebnis.
Mit einem Bus werden wir abgeholt / nach Elblag zurück gebracht.
Die Wartezeit verbringen wir im Biergarten, nahe der Anlegestelle.
Hier lernen wir Maria und Jerzy aus der Nähe der polnischen Stadt Posen kennen.
Mit ihm können wir uns recht gut auf Englisch unterhalten.
Er war Ende der 60er Jahre im 400 m Lauf viertbester Sprinter Polens.


"So ein Rasido-Programm kann manchmal anstrengend und endlos sein," denkt Sigrid als sie an diesem Nachmittag 365 Stufen in der Kirche Sankt Nikolaus hochsteigt.
Seht selbst, wie wunderschön Elblag ist:

Beim unten ankommen merkt Sigrid, dass sie einen "Drehwurm" hat.
Und Ralf gönnt sich anschließend seine wohlverdiente Pause.
Im "Greek Souvlak" gefällt uns nicht nur das Ambiente und der Service.
Unser Essen ist richtig gut.



10 Stunden waren wir heute auf den Beinen.
Leider naht unser Abschied.
Und Elblag bereitet sich für dieses Wochenende / den Ferienbeginn in Polen vor.
16.Tag - Donnerstag, 18.06.26
Elblag / PL -- Ketrzyn / PL
171,1 Km
"Sonne, Mond und Sterne"
Das erste Foto heute Morgen auf Sigrids iPhone ist das erste Auto unseres Enkels Milo. Er wurde Anfang Juni 18.
Möge er eine allseits gute / sichere Fahrt haben.
Heute morgen werden wir auf den Spuren von "Nicolaus Kopernikus" sein.
Bereits kurz vor 10 h parken wir unterhalb der "Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas" / der Wirkungsstätte dieses Ausnahmegenies.

Was macht diese Kirche - außer ihrem besonderen Baustil - so interessant:
- Kopernikus war dort über 30 Jahre lang Domherr,
- in den Wehrtürmen der Domburg hatte er seine Wohnung und Sternwarte,
- genau hier berechnete er, dass sich die Erde um die Sonne dreht - und nicht umgekehrt,
- Kopernikus starb 1543 in Frombork und liegt direkt unter dem Dom begraben. Sein Grab wurde erst 2005 durch DNA-Analysen zweifelsfrei identifiziert.
Hier feiert man Kopernikus als den Mann, der den Weg zu den Sternen (und damit auch für Apollo 11)
freigemacht hat.

Tief beeindruckt verlassen wir den Frauenburger Dom / besonders schön war der Blick aufs "Frische Haff".


Seit unserer Radtour - u.a. durch die Masuren - hat Sigrid den hiesigen blauen Himmel und die Natürlichkeit dieser Landschaft nicht vergessen.
Unsere Mittagspause machen wir im "jwd".
Dieses Schild heißt uns willkommen.
Ralf wählt Pommes und Sigrid die "Soup of the Day".

Auf nach "Swiety Lipka" - eine Wallfahrtskirche für das "ganz große Gefühlskino" - auch hier unser 2. Besuch.
Gott sei Dank warteten wir bis zur vollen Stunde.
Dieses Orgelspiel verzaubert mit beweglichen Engeln, glänzenden Posaunen und einem Himmel voller Klänge.

In unserem Zielort bleiben wir nur für eine Übernachtung - also ab nach Ketrzyn.
Beim Anblick des Hauses sind wir zunächst schockiert. Gebäude und Treppenhaus sind nicht gerade nach unserem Geschmack. Das kleine Apartment ist dann aber doch ganz ok.
Das haben wir auf unseren vielen Reisen aber schon oft erlebt: Von außen pfui, von innen hui!
"Ist ja nur für eine Nacht," so Ralf.
Das Hotel unserer ersten Übernachtung im Jahr 2016 finden wir bei unserem weiteren Spaziergang.



Nach unserem selbst zubereiteten Abendessen wollen wir uns noch einmal Ketrzyn anschauen.
Dieser Ort - der früher Rastenburg hieß - lässt sich als unverfälscht und als geschichtsträchtige masurische Kleinstadt - mit dem See als Ruhepol - beschreiben.


Gut, dass wir stets alles notieren / an Tagen wie diesem würden wir die Hälfte vergessen.
Und der Besichtigungsmarathon geht morgen weiter.
17.Tag - Freitag, 19.06.26
Ketrzyn / PL -- Suwałki / PL
165,0 Km
"Der heutige Trag ist das Resultat des gestrigen"
Unsere Vermieterin hatte uns gestern zur Begrüßung Sprudel und was Süßes bereit gelegt.
Mit diesem Zettel bedanken wir uns bei ihr für diese nette Geste.

Unser erstes Ziel heute ist die:
"Wolfsschanze".
Diesen Ort hatten wir seit unserem Besuch vor 10 Jahren als düster und teilweise zugewuchert in unseren Gedächtnissen abgespeichert.
Wir werden überrascht:
Nach Jahren privater Bewirtschaftung übernahm der polnische Staat über die Forstverwaltung die Kontrolle.
Das Areal wurde grundlegend reformiert, um den Kommerz einzudämmen.
Es entstanden professionelle Ausstellungen, neue Informationstafeln und Lehrpfade, die den Fokus stärker auf ein mahnendes Gedenken und die historischen Fakten legen.
Um 9 h öffnet sich für uns die Schranke.
Unser Parknachbar mit litauischem Kennzeichnen steigt aus mit den Worten: "Ich will zu Adolf!"
Mit einem Audioguide durchlaufen wir das Areal / erfahren Historisches / Unbekanntes - wie z.B.
- Hitler hatte Flugangst / war Vegetarier / hatte einen Hund namens "Blondie", mit dem er morgens "hier" seine Runden drehte
- im "Hitler"-Bunker lebte er verteilt auf mehrere Jahre mehr als 800 Tage (zwischen Juni 1941 - 20.11.1944).
Sigrid bleibt der Atem fast stehen:
In einem Raum wird das Attentat von Klaus von Stauffenberg auf Hitler nachgestellt.
Hitler blieb unverletzt / 4 Menschen kamen dabei um.
Eine Gedenktafel erinnert an das Attentat. Es stehen nur noch die Grundmauern vom Gebäude.

Obwohl es "hier" unser zweiter Besuch ist - wir verlassen diesen historischen Ort ziemlich nachdenklich.
Weiter geht es nach Mamerki, früher Mauerwald.
Auch hier befinden sich ehemalige deutsche Bunkeranlagen, sowie eine Nachbildung des
"Bernsteinzimmers".
Dieses ist erst seit Mai 2025 für Besucher zugänglich.
Es handelt sich um eine detailgetreue Rekonstruktion / hat eine Größe von 100 qm und eine Höhe von 8 Metern.
Allerdings ist die Ausführung nicht aus "dem braunen Gold" sonder aus speziellen Kunststoffen und mit einer 3D-Technik nachempfunden.
Als "Fake" empfinden wir dieses "Zimmer" definitiv nicht.





Der 38 m hohe Aussichtspunkt in "Mamerki" (mit Blick auf die "masurische Seenplatte")ist eine der Hauptattraktionen des Museumsgeländes.

Bis Suwalki haben wir noch ca. 100 Kilometer.
Das Thermometer zeigt 25 Grad.
"Ist Suwalki groß," will Sigrid wissen.
"Dort gibt's 3 LIDL," so Ralf.
Auflösung: Suwalki hat 69.000 Einwohner.
Schon beim Durchfahren fällt auf, dass dieser Ort eine gute Infrastruktur hat: ein großes Einkaufszentrum und eine Innenstadt, die wir uns morgen anschauen werden.
Außerhalb von Suwalki liegt unsere idyllische Unterkunft - das "Haus am See".
Während Sigrid die Dusche aufsucht, will Ralf das riesengroße Grundstück mit direktem Seezugang kennen lernen.


Das Anwesen liegt so außerhalb, dass wir auf unser Auto angewiesen sind - wie z.B. beim Abendessen.
Aufgrund der guten Rezensionen wählen wir das Restaurant "Karcma Polska" aus.
Essen und Einrichtung: tippitoppi!
Unterwegs decken wir uns bei LIDL mit Getränken ein.
Die Wärme und die ganzen Eindrücke dieses Tages haben uns ziemlich zugesetzt.
Und das Internet ist "hier auf dem Land" miserabel.
D.h. für uns: "Wir haben fertig!"

18.Tag - Samstag, 20.06.26
Suwałki / PL
31,0 Km
"Gute Laune Suwalki" (Werbeslogan von Suwalki)
Der deutsche Schäferhund unserer Vermieter hatte uns schlafen lassen.
In der Gemeinschaftsküche - die wir derzeit mit anderen teilen - bereiten wir unser Frühstück vor.
Unser Zimmer hat 2 Balkone. An diesem Morgen frühstücken wir "nordseits".
Sigrid freut sich auf Lachs und frische Butter - gestern bei LIDL im Sale.
Später fahren wir mit dem Auto nach Suwalki / parken kostenlos im Einkaufscenter.


Unterwegs sieht Sigrid in einem dieser "grünen" Supermärkte das aktuelle Angebot:
"Kaufe 8 Dosen Bier / bezahle 5".
Sie macht ein Foto davon.
Inzwischen ist es ziemlich hot.
In der "Ice bear Bar" platzieren wir uns unter einen der Sonnenschirme, ordern unsere flüssige Abkühlung.
Am Nebentisch sitzen 2 Niederländerinnen, die in Polen mit dem "Flixbus" unterwegs sind.
Suwalki gefällt uns richtig gut.
Jährlich findet "hier" das "Suwalki Blues Festival" statt - ist für Fans aus ganz Europa Pflicht.


Natürlich besorgen wir auf dem Rückweg das Bier aus dem o.g. Angebot.
Wenn man schon am "Haus am See wohnt" / Campingstühle dabei hat ...:
Den Nachmittag verbringen wir lesend am See.


Da wir morgen Polen für eine Zeit verlassen, "schließt" Sigrid in WhatsApp und Instagram mit diesem "Kapitel".
Am Abend speisen wir wie "Trucker".
In der "Swiss Bar" - einer Art Road Stop - bestellen wir Zigeunerschnitzel und polnisches Bier.
Und "Maggi" heißt auf polnisch "Przyprawa".
Noch einmal tanken wir voll. In Litauen wird der Sprit teurer sein.
Inzwischen haben wir neue Zimmernachbarn bekommen.
7 Fahrräder und zahlreiche Turnschuhe "parken" im Eingangsbereich.
Das polnische TV überträgt die WM. So ist dieser Abend für Ralf gerettet.
Den größten Teil dieser Polen-Zeit hatten wir schlechtes Wetter. Zwischenzeitlich ist der Sommer auch "hier" angekommen.
Nach und nach werden wir in den nächsten Wochen die "Baltischen Staaten" kennen lernen.
Den Anfang macht morgen Litauen.
"Do widzenia" liebes Polen - wir freuen uns aufs Wiedersehen.
19.Tag - Sonntag, 21.06.26
Suwałki / PL -- Kaunas / LT
122,5 Km
"Jeder kennt meinen Namen, aber keiner kennt meine Geschichte." (Shirin David)
Ab heute Nachmittag bewegen wir uns in einer anderen Zeitzone.
Also - an diesem Morgen nicht rumtrödeln und das "Haus am See" verlassen.
Damit wir heute "klare Sicht" haben, putzte Sigrid am gestrigen Abend die Autoscheiben.
Wir sind halt ordentliche Touristen!
Suwalki hat uns richtig richtig gut gefallen.
Wer von Euch kennt den "Suwalki Korridor"?
Dieser ist in der Luftfahrt ein wichtiger Begriff.
Erklärung: Gemeint ist ein 65 Kilometer schmaler Landstreifen an der Grenze zwischen Russland ( Kaliningrad ) und Weißrussland..
Er ist militärisch extrem wichtig, weil er die einzige Landverbindung zwischen Polen und den restlichen NATO-Ländern, den drei baltischen Staaten ist.

Auf gehts nach Litauen.
Um 9 h polnische Zeit / 10 Uhr baltische Zeit erreichen wir Lietuvos Respublika.

In der Stadt Marjampole wollen wir unsere Mittagspause verbringen.
Wir biegen ab und staunen. "Was ist denn hier los," fragt Ralf entgeistert.
An diesem Sonntag ist Trödelmarkt.
Ralf betätigt den Rückwärtsgang / wir wechseln die Richtung.
Schon recht schnell merken wir die Vorliebe der Litauer für "unsere" BMW.
In Marjampole parken wir kostenlos / laufen bei "tropischen" Temperaturen durch eine menschenleere Stadt.
"Ist es denen zu heiß oder sind die alle beim Trödelmarkt," grübelt Sigrid.
Wir sammeln unsere Impressionen aus dieser gepflegten / siebtgrößten Stadt Litauens / fahren durch zum Zielort.
Beim Einchecken in Kaunas lernen wir unseren Vermieter kennen, der uns in den Parkplatz und das Apartment einweist.
Wie die Waschmaschine funktioniert, erklärt Sigrid später ChatGPT.
Anmerkung: Litauen gehört zu den führenden europäischen KI-Nationen. Mit der Initiative "AI Lithuania 2030", hoher digitaler Intensität und weltweit beachteter IKT-Kompetenz setzt das Land massiv auf künstliche Intelligenz in der Wirtschaft, der Bildung und im Militärbereich.
Dank LIDL, der hier sieben Tage in der Woche geöffnet hat, sind wir für die Kaunas-Zeit mit Lebensmitteln eingedeckt.

An diesem Sonntag Nachmittag (und später am Abend) lernen wir Kaunas kennen.
Ein Regenschauer beendet unseren ersten "Kennenlern"-Spaziergang.
Polen hat die Messlatte hochgelegt - wie wird uns Kaunas / Litauen gefallen?
Anmerkung: Die deutsche Rapperin, Sängerin und Unternehmerin Shirin David wurde in Hamburg geboren, verbrachte 6 Jahre ihrer Kindheit in Kaunas. Ihre Mama ist Litauerin / der Vater Iraner.
An diesem Abend futtern wir Würstchen, die wir bei Abreise von zu Hause einpackten / die inzwischen die lange Fahrt gut überstanden haben.
20.Tag - Montag, 22.06.26
Kaunas / LT
0 Km
"Hatschi!"
Trotz einer befahrenen Durchgangsstraße haben wir gut geschlafen.
Heute ist Kaunas "von oben" dran.
Dafür überqueren wir die "Vytautas-Magnus-Brücke" über der Memel / erreichen direkt am Flussufer die historische Standseilbahn "Aleksotas", die uns hinauf zum Aussichtspunkt bringt.
An diesem Vormittag erfahren wir u.a., dass diese "Bergbahn" 26 mal pro Tag im Einsatz ist und dass "Artschu" (ausgesprochen wie "Hatschi" sagt uns eine in England lebende Litauerin) "Danke" heißt.
Das kann Sigrid sich gut merken.
"Artschu für diese Auskunft und dieses Foto,"

Mit 21 Grad ist dieser Vormittag optimal für uns.
Zurück nehmen wir die Stufen.
In einem Parkautomaten zahlen wir mit Karte "unsere" Umweltgebühr von 2 Euro.
Wo die beiden Flüsse Memel (links) und Negri (rechts) zusammen kommen - da wollen wir hin.

Sigrid lernt im Park Amantas - einen jungen Mann während seiner Mittagspause - kennen. Sie möchte von ihm wissen, wie aufgeschlossen er gegenüber der "künstlichen Intelligenz" ist.
Der junge Mann spricht "unsere" Sprache. Sie führen ein Gespräch, welches beiden gefällt.
Er verbrachte bis vor 3 Jahren sein Leben in Düsseldorf.
Seine Zukunft sieht er im Land seiner Vorfahren und nicht in Deutschland. Die Gründe dafür können wir nur erahnen.
Der "Santakos"-Park mit der alten Burg ist riesig und wunderschön.
Auf der anderen Flussseite sehen wir ein Neubaugebiet.
Die Kombi zwischen "alt und neu" gefällt uns in dieser Stadt gut.
Kaunas ist die zweitgrößte Stadt des Landes / "geadelt" als UNESCO-Welterbe / ist Universitätsstadt.


Im Café "Rüta" gibts unseren Nachmittagskaffee.
"Was haben die denn da," denkt Sigrid beim bezahlen.
Inzwischen kennen wir "Dubai-Schokolade" - aber was ist das?
Anmerkung: Durch Recherche fand Sigrid heraus, dass Hanfprotein ein rein pflanzliches Eiweißpulver ist, das aus dem Samen der Hanfpflanze gewonnen wird / sich hervorragend als Nahrungsergänzungsmittel (etwa in Shakes, Smoothies oder im Müsli) eignet.
Mit unseren Ebooks sitzen wir später auf einer Bank vor dem ehemaligen Präsidentenpalast.
Dass im vorgenanntem Park an diesem Abend Yoga stattfindet, hatte Sigrid im Internet gelesen.
Und nochmal laufen wir zu diesem riesigen Park.
Freizeitsportler und Feierabendgenießer sehen wir ohne Ende, keine Yoginis.

So nutzen wir diese ausgefallene "Yoga-Stunde" für Nützliches: die ersten Taschen im Auto verstauen / erneut die Planung für Tag 21 durchgehen.
Ein langer Tag steht an: ein anderes Land / viele Kilometer / einige Stopps und vielleicht sogar einen Abend, den wir nicht vergessen werden.
21.Tag - Dienstag, 23.06.26
Kaunas / LT -- Liepaja / LV
383,3 Km
Hey oder hurra!" (Ausdruck lettischer Lebensfreude)
Kaunas "Poser" hatten in dieser Nacht kein Erbarmen mit uns.
Dass unser Apartment an einer befahrenen Straße liegt, bemerken wir spätestens, als wir mit einem Finger über die Fensterbank gehen: er war schwarz!
Heute morgen verlassen wir nicht nur Kaunas sondern auch Litauen.
Es geht nach Lettland.
Wir fahren Richtung Norden, nach Šiauliai.
Beim berühmten "Berg der Kreuze" machen wir unseren ersten Stopp.
Bereits im Internet hatten wir etliche Fotos / Videos gesehen. Etwas waren wir also vorbereitet.
Aber: Nach ca. 30 Minuten an diesem "Hügel des Wahnsinns" fühlen wir uns wie gesegnet, leicht gruselig berührt und Sigrid hat den Wunsch, nie wieder Deko-Kram zu kaufen.
Es wimmelt nur so von Rosenkränzen und Plastikjesussen.
Unser Besuch ist beendet / ein "Studiosus-Bus" kommt mit seinen kulturinteressierten Reisenden an.
"Jetzt wird's akademisch," so Sigrid.
Weiter geht unsere Fahrt Richtung Palanga, das litauische Küstenparadies.
Anmerkung: Die Ferien in allen baltischen Staaten haben begonnen. Gut, dass wir unsere Quartiere vorgebucht haben.


In Telsiai machen wir im Gasthof "Bransa" unsere Mittagspause.
Die Wartezeit auf ihren Garnelensalat verbringt Sigrid mit einer litauischen "BUNTE"-Zeitschrift.
Und siehe da - ein bekanntes Gesicht.
Längst hat Ralf sich an zum Teil stundenlanges Fahren gewöhnt.

Nächste Zwischenstation ist das weltbekannte Bernsteinmuseum Palanga.
Mit unserem Eintrittsticket werden wir in die Welt des "baltischen Goldes" entführt / und das in einem prachtvollen neoklassizistischen Palast mit weitläufiger Parkanlage.
Als wir Palanga verlassen, wissen wir nicht, was uns dort besser gefallen hat: das Museum oder der unmittelbar angrenzende Ostsee-Strand.
Endlich - es ist so weit.
Insbesondere auf dieses Land freuten wir uns bereits vor Antritt dieser Reise.
Wir freuen uns auf Liepāja und "Ligo".
Unser Apartment ist im 4. Stock. D.h. wieder mindestens dreimal jeweils 60 Stufen rauf laufen.
Als Gegenleistung bekommen wir alles, was wir für 2 Tage brauchen. Es gefällt uns!



Wir haben einen ganz besonderen Abend "erwischt".
Inzwischen haben alle Geschäfte und Restaurants geschlossen.
Der "Heiligabend" ist in Lettland das "Ligo"-Fest.
Und wenn die Letten feiern - dann richtig.
Gemeinsam mit den Menschen aus Liepāja zelebrieren wir an diesem Abend das Mittsommerfest - mit alten Traditionen, Blumenkränzen, Gesang, Tanz und natürlich ganz viel Lebensfreude.
Diese kürzeste Nacht des Jahres werden wir sicherlich nie vergessen.
22.Tag - Mittwoch, 24.06.26
Liepaja / LV
0 Km
"Singende Revolution"
Erst gegen Mittag "erwacht" Liepāja - die Geschäfte öffnen nach und nach.
Der "Petermarkt" hat leider geschlossen.
Wissenswertes für Liepaja - der drittgrößten Stadt Lettlands:
- der Vater des ehemaligen Welttorhüters Oliver Kahn wurde in dieser Stadt geboren, die seinerzeit Libau heiß.
- Stadt der lettischen Rockmusik
- durch seine geografische Lage friert der Hafen im Winter fast nie zu
- die City ist von charmanten Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert und prächtigen Jugendstilbauten geprägt.

Trotz der größtenteils immer noch geschlossenen Geschäfte schauen wir uns die Stadt an.
Nach gestern Abend ist Sigrid "süchtig" nach dem Strand und dem Himmel.
Und warum haben wir unsere Campingstühle und Ebooks dabei?
Auf unserem Rückweg "treffen" wir den "Geisterbaum" (eine 6 m hohe Skulptur, bestehend aus mehr als 4.000 miteinander geflochtenen Metallstäben) und zahlreiche im Boden eingelassene Platten mit den Handabdrücken bekannter lettischer Musiker / Bands.
Anmerkung: "Livi" war für die Letten die "singende Revolution".
Einige Bandmitglieder sind inzwischen tot.
Dieser "Geisterbaum" erinnert an diese verstorbenen Musiker.
Und im "nächsten Leben" wird aus Sigrid ein "Drummergirl".

Der Weg an diesem Abend von der Haustür zu unserem Apartment ist länger als der Weg zum gegenüberliegenden Restaurant.
Ralfs Bierkrug trägt bereits die Aufschrift mit unserem morgigen "Ziel".
23.Tag - Donnerstag, 25.06.26
Liepaja / LV -- Ventspils / LV
134,8 Km
"Schön wie Mona Lisa"
Liepaja verlassen wir erst an diesem Morgen nach unserem Markthallen-Besuch.
Wie schön, dass
wir bei diesem lettischen Ligo-Fest dabei waren!
Danach zum Kontrastprogramm mit kurzer Anmerkung:
Karosta (ein Stadtteil von Liepaja) ist das größte historische Militärgelände des Baltikums. Es ist ein Ort mit Vergangenheit / surreale Kulisse voller Kontraste.
Zwischen der goldenen Sankt-Nikolaus-Kathedrale, sowjetischen Plattenbauten und den vom Meer umspülten Bunkerruinen am Nordpier wird hier Geschichte spürbar rau und lebendig.
Besuch 1 = das "russische Quartier" mit der vorgenannten orthodoxen/goldfunkelnden Kirche und den unmittelbar angrenzenden heruntergekommenen Plattenbauten.
Besuch 2 = das "Gefängnis" - früher streng bewachtes Militärgefängnis / heute ein Museum/eine historische Erlebnisstätte (auch zum Übernachten - genannt "Karostas cietums")
Originell wie hier Historie und Gegenwart zusammentreffen.



Besuch 3 = die Bunkeranlagen ( Artillery Battery No.1 ) am Strand
Besuch 4 = eine "Holocaust"-Gedenkstätte in Form einer Menora für deportierte Juden aus Liepaja / direkt am Strand von Skede


Ob wir heute Abend noch alles behalten haben?
Bevor´s zu "Mona Lisa" geht, "stürmt" Sigrid einen LIDL.
Das lettische Brot mögen wir so gar nicht. Auf den deutschen Discounter ist auch in Lettland Verlass.
Sigrid probiert die "Pistaziencreme Deluxe".

Am Nachmittag lernen wir Ventspils (ehemals Windau / die sechstgrößte Stadt Lettland´s und bedeutende Hafenstadt) kennen.
Auch die Letten mögen Biografien - wie z.B. die vom "Microsoft" Erfinder.
Mit dem Auto fahren wir zum Strand - genauer zum "Strandabschnitt 9".
"Find the silence" - dieser breite und endlose Strand zieht uns nicht nur an diesem Abend in seinen Bann.

24.Tag - Freitag, 26.06.26
Ventspils / LV
9,6 Km
"Gelesene Zeilen und unendlicher Horizont"
Heiß, heißer, 36 Grad - wir "verkriechen uns".
Obwohl: in der vergangenen Nacht schliefen wir bei erträglichen 18 Grad ein.


"Strandabschnitt 9" - wir kommen ... und das mit leichtem Gepäck!
Ralf mit "Never" von Ken Follett.
Sigrid nutzt die "Mobile Happy Hour" ihres Telefonanbieters / erstellt ein "Sommer Spezial" für unserer Instagram-Account.
Und zwischendurch immer ein Spaziergang am Strand mit "baltischer Fußmassage".
Aufgenommen auf dem Rückweg!
"Ventspils: Wo die Bobfahrer im Sommer nicht einfrieren, sondern aufblühen."

Den Hafen von Ventspils wollen wir uns noch mal an diesem Abend anschauen.
Die Fähre "Stena Line" (kommend aus Schweden) legt gerade an.

Ralf verbringt den Vorabend lesend im Garten unseres "Louvre".

Wir machen die Bekanntschaft mit einem deutschen Paar und ihren Pedelecs / angereist mit der Fähre von Travemünde nach Liepaja.
Voller Vorfreude auf morgen und die Tage danach freuen wir uns / der Wecker wird auf 7 h gestellt.
25.Tag - Samstag, 27.06.26
Ventspils / LV -- Riga / LV
245,3 Km
"Riga - eine Stadt, die man nicht nur sieht, sondern entdeckt"
Heute ist eine Durchfahrt bis Riga geplant.
Bei der Verabschiedung übergibt uns unser Vermieter (mit Vorliebe für "Mona Lisa") ein Fridgemagnet sowie folgenden Tipp: "Ihr müsst unbedingt das "Teleskop" besichtigten."
Wir hören auf Lauris / fahren hin. Leider ist das gesamte Gelände eingezäunt und verschlossen.
Anmerkung: Das Radioteleskop - Teil des Ventspils International Radio Astronom Centre - ist eine 32 Meter große, bewegliche Parabolantenne. Aufgrund seiner Kombination aus geheimer Sowjetgeschichte des Kalten Krieges, der surrealen Atmosphäre einer verlassenen Militär-Geisterstadt und moderner europäischer Spitzenforschung lohnt sich definitiv ein Besuch.

Nächster Stopp ist am "Kap Kolka".
Wo die offene Ostsee und die Rigaer Bucht aufeinander treffen, wodurch kreuzende Wellen und unterschiedliche Wasserfarben entstehen, da müssen wir hin.
Es muss herrlich sein, in so einem Fass zu übernachten, in dem man sowohl den Sonnenaufgang als auch den Sonnenuntergang am Meer beobachten kann.
Ein Wochenende in Lettland scheint auch nicht anders als bei "uns".
Bei unserer Weiterfahrt sehen wir eine unendliche Parkschlange, die Leute wollen alle zum Strand.
Nicht nur uns scheint es am "Kap Kolka" und der Umgebung gut zu gefallen.
Unterwegs - in einem Ausflugslokal - ordert Ralf seine erste Soljanka (die osteuropäische Antwort auf eine gute Restesuppe).


Gegen 16 h: wir erreichen unsere Unterkunft.
Zwischen dieser und der Altstadt von Riga liegt nur eine Straße und die "Daugava".
2 Übernachtungen haben wir in einer äußerst zentralen / geschmackvollen Unterkunft mit Minibalkon und kostenlosem Parkplatz.
Damit wir in dieser lettischen Hauptstadt nichts verpassen, hat Ralf eine Bucket List erstellt.
Kurze Zeit später starten wir Besuch 1.



Über eine Brücke überqueren wir die Daugava / laufen in die Altstadt.
Diese zieht uns sofort in ihren Bann.
Ob "Schwarzhäupterhaus", das historische Zentrum der Stadt, das lebendige Treiben an diesem Samstag, unsere Fotokameras sind im Dauerklick.

Heute Abend hören wir auf die Empfehlung einer YouTuberin / speisen im "Lido".
Zunächst sitzen wir draußen.
"Bestellt wird drinnen," so die Kellnerin. Wir sind "not amused" / hören aber auf die Dame.
Unsere Begeisterung steigt ins Unendliche, als wir die Auswahl (ähnlich einer Kantine) sehen.
Getroffene Auswahl: Hamburger, Pommes und Coke Zero.
Dieses Restaurant hat weitere Filialen in der Stadt.
Unser Abendspaziergang führt uns an diesem Abend u.a. zur "Ukrainischen Botschaft".
Das hat einen Grund: der Großvater unseres Freundes Dieter wuchs in diesem Haus auf.
Den gegenüberliegenden Park gab´s bereits zu dieser Zeit.
Heute ist er für alle zugänglich / früher hatten die Anwohner Schlüssel, um rein zu kommen.
Unser Foto schicken wir an Dieter, der sich darüber sehr freut.


Vor dem gut besuchten Sign fotografiert Sigrid eine Mädelstruppe aus Deutschland.
"Ein Wochenende Riga sei schon lange ihr Wunsch gewesen." Sigrid kann sie gut verstehen.
Und: kein Sign ohne Sigrid.
Erster Eindruck von Riga: ziemlich viel Stadt für diesen Abend - und noch mehr Fotos.
Morgen nehmen wir den Rest in Angriff.
26.Tag - Sonntag, 28.06.26
Riga / LV
9,0 Km
"Sommerspecial: heißer geht's nicht!"
"Wie hast Du geschlafen," so begrüßen wir uns an diesem Morgen gegenseitig.
Zu unserem Mini-Apartment gehört eine Schlafcouch.
Gott sei Dank hatte Sigrid im Schrank einen Topper gefunden. So wurde aus Übernachten doch noch Schlafen.
Heute sollte der wärmste Tag unserer Reise werden.
Ralfs Liste ist noch lange nicht abgearbeitet. Da müssen wir - trotz der Hitze - durch.
Am Morgen nehmen wir die "andere" Brücke - genannt die "Vanšu-Bridge".
Anmerkung: Hier handelt es sich um eine markante Schrägseilbrücke, die den Fluss Daugava und die Insel Kipsala überspannt. Sie wurde 1981 erbaut / ist 625 m lang. Mit ihren 109 hohen Pylonen prägt sie die Silhouette von Riga.
Die Ausflugsdampfer warten auf ihre Gäste.



Der erste Anlaufpunkt ist das Parlamentsgebäude - genannt "Saeima".
Und wieder kommen wir an der "Ukrainischen Botschaft" vorbei.
Der angrenzende Park ist bei diesen hochsommerlichen Temperaturen eine Oase für Körper und Geist.


Fehlen darf an diesem Vormittag keinesfalls ein Spaziergang durch die "Alberta iela".
Sie ist das Epizentrum des Jugendstils in Riga. Hier reiht sich ein prunkvolles "Art Nouveau"-Haus ans nächste.
Verantwortlich ist dafür der Architekt Michail Eisenstein mit seiner Vorliebe für Skulpturen und Ornamente. Nicht nur von außen, auch von innen sind die Häuser wahre Meisterwerke.
Wir sind nicht die einzigen Fans dieser wunderbaren Bauweise.
Eine Reisegruppe aus Maryland schaut ständig fasziniert nach oben / hört aufmerksam ihrem Guide zu.
Und nicht nur diese Gebäude sind äußerst fotogen!


Wir setzen unseren Rundgang mit der Geburtskathedrale fort.


Weitere Stationen und Tourismusattraktionen sind:
- die Museen "Janis Rozentals und Rudolfs Blaumanis"-Museum mit der fotogenen Jugendstiltreppe
-die Oper
- die Außenfassade des "Grand Hotel Kempinski"
- die Markthallen - genannt "Zeppelinhallen"
Anmerkung zu diesen Hallen: dieser Markt hat eine Fläche von ca. 72.000 qm und ist somit der größte Lebensmittelmarkt Europas.
In 5 originellen Hallen - umgebauter Zeppelinhangar aus dem 1. Weltkrieg - bewegen sich täglich bis zu 50.000 Menschen und an stark frequentierten sogar viel mehr.
Das "Empire State Building" Riga's - genannt "Akademie der Wissenschaften - haben wir uns für den heutigen Schluss aufgehoben.
Der Ausblick auf die lettische Hauptstadt aus dem 16. Stock hat uns leider nicht vom Hocker gerissen.
Und das Café ist (darauf hatten wir uns gefreut) dauerhaft geschlossen.
27.Tag - Montag, 29.06.26
Riga / LV
0 Km
"Ich glaube an Gott, Mozart und Beethoven" (Zitat von Richard Wagner)
Riga hat jährlich bis zu 1,2 Millionen registrierte Touristen. Die Deutschen belegen Platz 3 hinter Litauen und Estland.
In diesem Jahr gehören wir dazu.
"TOP 1" an diesem Tag ist das "Schwarzhäupterhaus" in der Oldtown - seit 700 Jahren ein Symbol dieser Stadt.
Anmerkung: Dieses Haus ist das prunkvollste Gebäude am Rathausplatz.
Es wurde 1334 erbaut, diente als Treffpunkt der "Schwarzhäupter" (einer Bruderschaft unverheirateter deutscher Kaufleute), wurde im 2. Weltkrieg zerstört und zwischen 1993 und 1999 originalgetreu wiederaufgebaut.
Wir bezahlen 20 € Eintritt / erhalten einen deutschsprachigen Audioguide, der uns vom Entree bis Exit bestens unterhält/informiert.
Auf zwei Etagen tauchen wir in die "Welt der Hanse" und des Salzes ab.
Wusstet Ihr, dass das Wort "Salär" (Gehalt/Lohn) übersetzt "Salzgeld" heißt?
Auch heute ist das "weiße Gold" in jeder Küche vorhanden.


Eine Geschichte im "Schwarzhäupterhaus" rührte Sigrid ganz besonders:
Am 28. Juni 1941 brannte es "hier". Der Angestellte Janus Jurjans nahm sich diese Uhr, flüchtete und versteckte sie auf dem Dachboden einer Verwandten.
Über Deutschland floh er in die USA / lebte 50 Jahre dort.
Später holte er diese Uhr auf ihrem Versteck / brachte sie zurück. Und so hängt sie als Zeitzeuge an dieser Wand.
Insbesondere die Musik spielte im "Schwarzhäupterhaus" eine große Rolle. Daran war Richard Wagner beteiligt. Im großen Festsaal dirigierte der Deutsche mehrere Konzertabende.
"Und wenn uns schon mal der Ballsaal alleine gehört," denkt Sigrid / dreht eine Runde.
Anmerkung:Richard Wagner war u.a als Kapellmeister am Deutschen Stadttheater in Riga. Eine Straße mit seinem Namen erinnert an diesen Meister, der die Musikwelt im 19. Jahrhundert grundlegend veränderte.

In der Nachbarschaft der "Deutschen Botschaft" teilen wir uns auf:
- Ralf interessiert sich für die Wachablösung am Freiheitsdenkmal,
- Sigrid für die LAIMA-Uhr.
Die nette Geschichte "hinter" dieser Uhr ist folgende:
Als die rund 8 m hohe Säulenuhr 1924 aufgestellt wurde, hatte sie einen sehr unromantischen Zweck. Die Stadt errichtete sie, damit die Arbeiter auf dem Weg in die Fabriken keine Ausrede mehr für das Zu-Spät-Kommen hatten - Armbanduhren waren damals noch unbezahlbarer Luxus.
In den 1930er Jahren übernahm der lettische Schokoladenhersteller "Laima" die Uhr als Werbefläche.
"Laima" bedeutet im Lettischen übersetzt "Glück".
Schwer bepackt (mit den Zutaten fürs Abendessen und einer Honigmelone) beenden wir (fast) den kulturellen Teil des Tages / unseres Riga-Aufenthalts.
In unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Apartment liegt der spektakuläre Bau der "National-Bibliothek".
Nach und nach laufen wir durch diese Hallen - immer passt einer auf die "Honigmelone" auf.
Im 11. Stock liegt uns Riga erneut "zu Füßen". Fotografieren geht nur bedingt - die Scheiben sind "gepixelt".


Im Eingangsbereich fallen Sigrid feingemachte Teenager mit Sträußen und Erwachsene auf.
"Wir feiern heute unseren Schulabschluss und die Blumen sind für unsere Lehrer," so ein junger Anzugträger.
An diesem Abend packen wir unsere Taschen (u.a. voll mit Erinnerungen aus dieser wunderschönen Hauptstadt).
Morgen verlassen wir nicht nur die lettische Hauptstadt sondern auch Lettland.
28.Tag - Dienstag, 30.06.26
Riga / LV -- Haapsalu / EE
308,0 Km
"Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen"
(Zitat aus Pippi Langstrumpf)
Am gestrigen Abend schied das DFB-Team bei der WM aus. Unsere Gedanken sind an diesem Morgen "in" Deutschland.
Bevor wir Riga an diesem grauen Morgen verlassen, fahren wir einen Schlenker zum Fernsehturm. Eine Besichtigung ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten nicht möglich.

Ca. 20 km nordöstlich von Riga liegt der Ort Baltezers. Hier überqueren wir den "Baltischen Kanal".
Unterwegs begegnen wir dem "Lügenbaron von Münchhausen", dessen Ehefrau Jacobine aus dem deutsch-baltischen Landadel in Lettland abstammt.
"Wenn doch jeder Tag ein Strandtag wäre," denken wir bei einer Pause unterwegs.

"Wo sind wir inzwischen gelandet," fragen wir uns bei diesem Schild neben diesem IKEA.
Wie weit ist es noch bis Russland?

Zweieinhalb Stunden nach Abfahrt an diesem Morgen erreichen wir Land 4 unserer Baltikum-Tour: Estland.
In Pärnu verbringen wir unsere Mittagspause.
Dieser Ort erlangte 1994 durch den "Untergang der ESTONIA" traurigen Weltruhm.
Viele Passagiere und Besatzungsmitglieder stammten aus dieser Region.
Bei "Männi Kohvik" sitzen wir zwischen Einheimischen und Arbeitern, die hier ihre Mittagspause verbringen.
Die besten Tipps holt man sich u.a. über Rezensionen im Netz.


Bald erreichen wir einen Ort, dessen Schreibweise, Menschen und Infrastruktur/Geschichte wir so schnell nicht vergessen!
Ralf fallen unterwegs die Warnschilder mit Elchen auf.
"Ob wir unterwegs welche sehen," fragt Ralf.


Unsere Vermieterin ist eine Schönheit - wie ein Modell aus einem Landhauskatalog.
Und unser Zimmer kann sich auch sehen lassen.

Haapsulu (ein Kurort mit Vergangenheit) und Pyotr Tschaikowski haben eine gemeinsame Geschichte:
der weltberühmte Komponist kurte hier regelmäßig.


Diese Idylle - wie aus dem Märchenbuch - mit ihren bunten Holzhäusern, der romantischen Holzpromenade am Meer und der alten Bischofsburg - müssen wir leider morgen früh verlassen.
So richtig traurig sind wir natürlich nicht: die estische Hauptstadt "ruft"!
An diesem Abend speisen wir lecker und reichlich im "Mandarin".
29.Tag - Mittwoch, 01.07.26
Haapsalu / EE -- Tallinn / EE
171,2 Km
"Estland - klein aber oho"
Dass ein Bäcker in unserer Nachbarschaft ist, hatte Sigrid bereits gestern gesehen. Die Preise dagegen waren ihr nicht bekannt.
4 Brötchen landen in der Tüte. Als Gegenleistung gibts von uns 6,60 €.
Um 9.30 h legen wir Lies unseren Schlüssel in die Box.
Wir bedanken uns für den wunderbaren Aufenthalt in diesem "Bullerbü"-Häuschen / nicht ohne uns vorher ins Gästebuch eingetragen zu haben.



Bevor wir in den Großstadtverkehr der estnischen Hauptstadt kommen, fahren wir durch "Smalltown" Estlands.

Die heutige Strecke ist kurz / wir liegen gut in der Zeit - da fällt uns doch was ein:
"Ab zum Strand!"
Im Nordwesten Estlands - im Perakula Nationalpark - parken wir / tauschen unser Outfit gegen Beachwear!
Nach 3 Stunden beenden wir unsere Strand-Siesta.
Leider war dies unser letzter letzter Strandtag auf dieser Reise an der Ostsee!
Auf dem Weg zum Apartment decken wir uns für unsere Tallinn-Zeit bei LIDL ein.
Dass hinterm Haus eine Baustelle ist, ist uns bekannt.
Dennoch sind wir enttäuscht, als wir das Chaos vor unserer Tür sehen.
Das Apartment scheint ok / die "Jura" fällt gleich ins Auge. Sofort freuen wir uns auf den nächsten Morgenkaffee.

Beim Duschen stellen wir später fest, dass der Abfluss ein Problem hat.
Sigrid flutet zunächst das Bad und macht später Bad und einen Teil der Küche trocken.
Die erste Hälfte dieser Reise haben wir soeben beendet.
30.Tag - Donnerstag, 02.07.26
Tallinn / EE
0 Km
"Möge der Stadtplan mit uns sein"
Am gestrigen Abend brachte Sigrid unseren Instagramaccount rasidoontour auf den aktuellsten Stand.
"Tallinn bekommt natürlich einen eigenen Social-Media-Auftrtt," so Sigrid.
In der Nacht hatte es geregnet. So haben wir an diesem Morgen Zeit für die "Jura".
Riga hat die Messlatte ziemlich hoch gelegt / wie wird Tallinn uns gefallen:
Kurz nach 10 h machen wir uns auf, Tallinn kennen zu lernen.
Am Ende dieses Tages hat jeder von uns mehr als 20.000 Schritte auf den Fitnesstrackern.
Wo waren wir / was haben wir gesehen / was haben wir erlebt:
Zunächst werden wir "Zeugen" eines Staatsbesuchs mit allem drum und dran (Eskorte durch estnische Soldaten / Fahrt mit Sicherheitspersonal im "Cadillac one").
Der lettische Präsident Rinkëvičs legt auf dem "Freiheitsplatz" einen Kranz nieder.

Dieser Staatsbesuch ist gekoppelt mit einem Wirtschaftsforum, das dazu dient, die wirtschaftliche, digitale und infrastrukturelle Verpflichtung zu vertiefen.
Zu erwähnen an dieser Stelle: alle an diesem "Einsatz" eingesetzten Autos sind "made in Germany".
Während sich Ralf mit einem estischen "Kollegen" unterhält / tut Sigrid dies mit einer Estin, die mittlerweile im Silicon Valley mit ihrer Familie lebt / jetzt in Haapsalu ihre Großeltern besucht.

Bald erreichen wir die Altstadt.
"Man spricht deutsch," stellen wir fest.
Und tatsächlich: "Mein Schiff" hat heute "hier" angelegt.
Während der Himmel bei unserem Aufbruch grau war, wechselt dieser die Farbe und unsere Welt ist wieder himmelblau.
Bei uns herrscht stets das Motto: "Zuerst die Pflicht, dann das Vergnügen."
So auch an diesem Morgen: zuerst laufen wir zum Hafen. Nach Tallinn kommt Helsinki.
D.h. wir wollen das "Parkdeck D" anschauen - wo wir unser Auto für drei Tage abstellen, wenn es mit der Fähre nach Helsinki geht.
Gut, dass wir uns heute bereits darum gekümmert haben!
Danach trennen wir uns. Ralf zieht es in die Altstadt / Sigrid will zum H&M in die Mail "Nautica" - gegenüber diesem riesigen Hafen.
Sigrid ist bereits ein paar Minuten vor der verabredeten Zeit dort / lernt einen jungen Engländer kennen.
Er flog von Heathrow nach Helsinki / kam mit der Fähre / macht sich morgen auf den Weg nach Holland.
Anlass: Am Wochenende findet in Utrecht ein Techno-Festival statt.
Während Sigrids Schrittzähler innerhalb von H&M aktiv bleibt, treibt sich Ralf derzeit u.a. an der alten Stadtmauer rum.
2 Stunden später treffen wir uns auf dem Marktplatz / finden ein reizendes Cafe.
Für diese kleine / wunderbare Auszeit zahlen wir gerne 6,50 € für eine Dose Bier.


Ab jetzt wird's alpin: wir stehen vor dem Parlament / der Alexander Nevski-Kathedrale / laufen an der Deutschen und Monegassischen Botschaft sowie der alten Burg vorbei.
Von der Aussichtsplattform liegt uns Tallinn zu Füßen.
Bevor wir "Tallinn an Tag 1" beenden, gehts noch über den Marktplatz und nochmals in die Altstadt.
31.Tag - Freitag, 03.07.26
Tallinn / EE
34,2 Km
"I believe I can fly" (Song von R. Kelly)
Auf unseren Reisen gerne gesehen sind: Überraschungen, Begegnungen, Highlights, Besichtigungen und auch Adrenalin.
Diese Art von Adrenalin meint Sigrid an diesem Morgen nicht, als sie die Bude nach dem Duschen
"erneut trockenlegt".
Leider steht der heutigen Morgen wettertechnisch nicht unter einem guten Stern.
Aber: Sigrid hat da so einen Plan, auf den sie sich seit Beginn dieser Reise freut.

Mit dem Auto fahren wir zum TV-Tower von Tallinn, etwas außerhalb gelegen.
in 175 m Höhe - gut angeschnallt und Adrenalin pur - läuft Sigrid einmal rum / wagt sogar einen Blick nach unten. Und plötzlich fängt es zu regnen an.
Gut, dass Sigrids neongelbe Jacke beschlossen hat, den Farbtupfer zu übernehmen.

Im Turmrestaurant essen wir zu Mittag. Für dieses leckere Tagesgericht incl. Getränk zahlen wir 10 €/Person.


Am 23.8.1989 erlebte die "Singende Revolution" im Baltikum ihren Höhepunkt. Eine 600 km lange Kette singender Menschen erstreckte sich von Vilnius bis Tallinn.
Heute sagen die Esten, sie hätten sich zur Freiheit gesungen.

Heute wollen wir uns das "Wohnzimmer" des Gesangs - Laululava - mal anschauen.
Leider dürfen wir nicht rein.
Und das nächste Gesangskollektiv mit 23.000 Sängerinnen/Sängern und ca. 100.000 Zuschauer findet erst wieder im Juli 2028 statt.
An diesem Wochenende ist diese Location Austragungsort für ein "Bierfestival".
Unweit dieser wunderbaren Anlage liegt das "Schloss Katharinental".
Normalerweise öffnet dieser "Zarenpalast" um 14 h seine Tore. Heute etwas später.
Grund: wieder laufen wir (fast) dem lettischen Präsidenten in die Arme.
Zeig genug also, dass wir uns den Schlossgarten mit seinen Bienenstöcken ansehen.
Den "Schloss"-Honig kann man im hauseigenen Shop kaufen.
Sigrid kommt dann nach dem Eintritt mit einem Spezialagenten ins Gespräch / sie spricht ihn gleich auf seinen "BOSS"-Gürtel an.
"Nicht nur mein Gürtel kommt aus Deutschland sondern auch unsere komplette Auto-Flotte," so der estische 007.
"Trinken Sie doch ein Glas Rotwein," lädt der "Boss" Sigrid später ein. Sie verzichtet.
Die Stunde warten hat sich definitiv gelohnt.
Wunderbare Fotos werden uns an diesen Aufenthalt erinnern!
Während Sigrid am gestrigen Vormittag noch häufig Tallinn mit Riga verglichen hat, ist sie mittlerweile davon überzeugt, dass beide Städte zwar unterschiedlich und doch unglaublich schön sind.
An diesem Abend steht die Hochzeit von Taylor Swift im Vordergrund. Das will Sigrid im TV sehen.
Unsere Taschen packen wir / wollen diese im Auto verstauen. Die Sachen, die wir für 3 Tage Helsinki brauchen, sind jeweils in unseren Rucksäcken.
Das Wetter macht uns einen Strich durch unsere Rechnung: es schüttet!
Und zwar so stark, dass wir noch nicht mal vor die Tür treten können.


Ralf nimmt Kontakt zu unserer Vermieterin auf.
Kurz nach 22 h kommt ein Handwerker / macht alles frei.
Wir stellen den Wecker auf 5 h / freuen uns auf unsere morgige "Mini-Kreuzfahrt".
32.Tag - Samstag, 04.07.26
Tallinn / EE -- Helsinki / FI
5,1 Km
"Es gibt kein Weg zum Glück. Glücklichsein ist der Weg."
5 h aufstehen / Kaffee trinken / es geht los.
Um diese Uhrzeit ist noch nicht viel Verkehr in der estischen Hauptstadt.
Das ändert sich schnell, als wir auf den Hauptstraßen unterwegs sind.
Gut, dass wir uns vorgestern ortskundig gemacht haben. Ruckzuck sind wir im "Parkdeck D", parken unseren Wagen dort bis zur Rückkehr.
Um 7.15 h betreten wir die Fähre.
Sigrid besorgt im Schiffskiosk unser Frühstück. Es wird Zeit, dass wir uns an finnische Preise gewöhnen.



Die gesamte Fahrtzeit (ca. 2,5 Stunden) sitzen wir am Tisch mit Ausblick / unsere Mobilphones laden derweil auf 100%.
Damit Sigrid wieder mit ihrer "halben Welt" chatten kann, nutzt sie auch an diesem Morgen ihre mobile "Happy Hour".
Sie wünscht u.a. unseren amerikanischen Freunden Lisa & Brian sowie Jessi & Toni alles Gute zum "Independence Day" via Instagram.

Längst ha es uns aufs Deck gezogen.
Nach zweieinhalb Stunden sehen wir bereits aus der Ferne den weißen Dom von Helsinki - das strahlend weiße Wahrzeichen von Helsinki.
"Wie schön ist das denn," unsere Meinung, als wir entlang der zahlreichen Schäreninseln entlang gleiten.

Unweit des Fährhafens ist unser Apartmenthotel "NOLI".
Bis zum Einchecken haben wir Zeit. Unsere Rucksäcke dürfen wir in "Lockers" parken.
Aus der Hotelbücherei leihen wir uns diesen aktuellen "CityTrip Helsinki" aus.
Bisher war keiner von uns in den skandinavischen Staaten. Somit ist heute Premiere.
Unser "Helsinki-Kennlern-Special" geht los:

Was uns richtig gut gefällt ist dieser "Seapool".


Das "Skywheel" ist eine clevere Werbestrategie (gehört Fin-Air) - u.a. ausgestattet mit einer VIP-Kabine und einer Sauna an Bord.
Erste Impressionen aus der finnischen Hauptstadt!
Einen heftigen Regenschauer überstehen wir in einem Cafe gegenüber dem Hauptbahnhof.
Danach gehts zum Einchecken ins Hotel. Bis zum Abendessen legen wir uns hin - 5 h aufstehen war schon verdammt früh!
Der Powernap hat uns richtig gut getan.
So gut, dass wir an diesem Abend noch eine große Runde drehen - entlang von "Eisbrechern", gut besuchter Gastronomie mit Livemusik.
Auf einer Bank liegt ein Mann in der horizontalen und liest.
Sigrid sieht den Titel des Buches / spricht ihn auf Deutsch an.
Er wohnt in Berlin / verbringt mit seiner Familie einen Teil des Urlaubs in Helsinki.
Der Autor dieses Buches ist ein Kollege von der Freiwilligen Feuerwehr, der von seinen Auslandseinsätzen und seinem Schicksal berichtet.
Titel: "Rauch der Vergangenheit".
Am "Hotel Kämp" und am "Kaufhaus Stockmann" kommen wir vorbei.
Im "Kämp" möchte Sigrid ihren "Sonntagnachmittagstee" trinken.


Dass die Finnen seit (nunmehr 9) Jahren das Ranking des "World Happiness Report" anführen, kann doch kein Zufall sein.
Von 2 Paaren will sie das Rezept zum "dauerhaften Glücklichsein".
"Genieße die Natur, gehe in die Sauna, umgebe Dich mit Menschen, die dir gut tun," deren Antwort.
So leicht ist das! Warum klappt das nicht in "unserem" Land? Obwohl - Deutschland taucht aktuell auf Platz 17 auf.
Dank KI haben nun auch wir das Glück gepachtet.

33.Tag - Sonntag, 05.07.26
Helsinki / FI
0 Km
"Wir gegen Wind und Wetter"
Regen verzögert unseren Aufbruch.
So haben wir Zeit für einen zweiten Kaffee, zubereitet in der Gemeinschaftsküche des "NOLI".
Ob wir heute unser Programm (Felsenkirche, Bahnhof, Tee im "Kämp" und vielleicht sogar den Dom) schaffen?
Um 12.30 h setzen wir "auf Lücke" - los gehts.
Die "Uspenski-Kathedrale" ist unser erster Stopp.
Gerade wird dort eine kleine Finnin getauft.


Danach folgt der "Dom zu Helsinki", dass Wahrzeichen von Helsinki.
Anmerkung: Der älteste und größte Weihnachtsmarkt Finnlands verwandelt dieses Senatsplatz im Dezember in ein Winterdorf.
An Silvester versammeln sich tausende Menschen, um gemeinsam das neue Jahr zu begrüßen.
Am Marktplatz der Stadt laufen wir ständig vorbei.
Von wegen "billige Knolle"!


Wie mag wohl dieser Hotdog schmecken?
Den Bahnhof (erbaut 1919) - von außen und innen - schauen wir uns an.
Täglich passieren rund 200.000 Menschen dieses Gebäude.
Bis zur berühmten Felsenkirche sind´s noch 750 m.
Wir hatten gelesen, dass sich bei Regen die Atmosphäre auf eine besondere, fast mystische Art verändert.
An diesem Tag schaffen es leider nicht dorthin.
Unseren Spaziergang dorthin brechen wir aufgrund Sturzregen ab.
Wir machen eine Kaffeepause im
"Natural History Museum".


Irgendwie schaffen wir es noch trocken im "NOLI" anzukommen.
In unserem Apartment gibt's kein TV-Gerät.
Sigrid fragt sich, ob sich die "glücklichen" Finnen gegen eine Nachrichtenflut entscheiden / sich dafür lieber auf das Wesentliche besinnen.
Unser Abendspaziergang - entlang des Hafens - tut uns richtig gut.
Optimistisch - was das morgige Wetter betrifft - beenden wir diesen Tag mit einem letzten Foto auf dem Roof Top unseres Hotels.
Die positive / finnische Grundeinstellung überträgt sich so langsam auf uns. Wir haben nichts dagegen,

34.Tag - Montag, 06.07.26
Helsinki / FI
0 Km
"Helsinki in drei Tagen - klein genug zum Entdecken, groß genug zum Staunen"
Bereits beim Reinfahren in die finnische Hauptstadt waren wir verzaubert von den zahlreichen Schäreninseln.
An unserem letzten Tag gehts mit einem Boot hinaus zur Schäreninsel "Suomenlinna", eine im 18.Jahrhundert zur Verteidigung erbaute Festung, die vorgelagert vor der finnischen Hauptstadt liegt und zum UNESCO - Welterbe zählt.


Mit Edgar (unserem mexikanischen Kellner) kommen wir schnell ins Gespräch.
Er erzählt uns von seinem Leben / seinem Job und seiner Fanliebe zum "BVB".
Glücklich und dankbar für diese "besondere Auszeit" verlassen wir "The Finest Hotel in Helsinki".
Übernachtet haben hier u.a. Madonna, Lady Gaga, Elton John und Whitney Houston.
Nun ist (endlich!) die "Felsenkirche" dran.
Zwischen rauem Granit, warmem Licht und dieser unglaublichen Stille tauchen wir ein.
Unsere Handykameras fangen das besondere Licht auf dem rohen Granit ein. Hier verschmelzen Raum und Zeit zu einem wahren "Magic Moment".
Auf dem Rückweg laufen wir am "Parlament" vorbei.
Ein junger norddeutscher Radfahrer kommt uns entgegen.
Seit 6 Monaten ist er mit seinem "Gudereit" unterwegs / nun auf dem Nachhauseweg.

Die Nationalbibliothek
Unsere Liste an Sehenswürdigkeiten haben wir erfolgreich abgearbeitet.
Zeit, uns nun um die morgige Fährverbindung / Abendessen und SocialMedia zu kümmern.

Wir staunen beim Anblick dieser "Fanmeile".
Hinweis: Diese WM findet ohne das Nationalteam Finnlands statt.
Schön, dass ein skandinavisches Land noch dabei ist. Die "Norweger" - rund um Erling Haaland - spielen nicht nur richtig gut Fußball. Dieses Team und das "Viking Row" (Wikinger-Rudern) steht für gute Laune und Ekstase.

Resümee: Obwohl wir ziemlich viel Regen hatten - Helsinki hat uns richtig gut gefallen.
Und nicht nur gefallen - sondern auch richtig gut getan: WIR SIND GLÜCKLICH!
( Trotz der dunklen Wolken über uns ).
35.Tag - Dienstag, 07.07.26
Helsinki / FI -- Narva / EE
213,1 Km
"Cinderella, Bingo und Dancing Queen"
Unsere Rucksäcke sind rasch gepackt. Um 9 h verlassen wir das "Noli".
Im Fährhafen warten wir in Gate 3 auf "unseren" Aufruf.
Plötzlich bewegt sich die Masse. Was ist los?
Wir müssen zum Gate 1.
Die Wartezeit verbringt jeder von uns auf seine Weise.

Sigrid recherchiert:
Helsinki hat pro Jahr 4,92 Millionen Übernachtungen - Tendenz steigend.
Davon sind 2 Millionen internationale Gäste / der Rest Finnen.
Nummer 1 sind die Amerikaner / 2 wir Deutsche.
Hinzu kommen die Tagestouristen und die Kreuzfahrtpassagiere.
Summa summarum tragen 13,2 Millionen Metropolen-Entdecker zum Wohl dieser Stadt bei / lassen Devisen hier.
Obwohl Helsinki ein "teures Pflaster" ist.
Es geht los auf der "Cinderella".
Während bei der Hinfahrt die eigentliche Fahrt / Route im Vordergrund stand, ist dieses Schiff ein wahres "Partyschiff".
Bis wir einen guten Platz finden, dauert es.



Nun bekommen wir das komplette Unterhaltungspaket: Zuerst spielt eine Liveband (und zwar richtig gut).
Dann bildet sich eine Endlosschlange. Jeder zahlt 20 € / bekommt seine Akkreditierung.
Und dann wird BINGO gespielt, was das Zeug hält. Wir können nur noch staunen.
Sigrid recherchiert: die Finnen lieben BINGO.
Und dann gehts nochmal richtig los: die Band spielt ABBA-Klassiker.
Diese Rückfahrt hat uns richtig gut gefallen.
In Tallinn gehts für uns zum Parkdeck D.
Bis zu unserem Zielort sind´s noch 200 km. Weiter gehts ab nun wieder mit unserem Auto.
Die ersten 150 km davon fahren wir ausschließlich auf einer Bundesstraße.
Unser Vermieter aus Narva will wissen, wann wir ankommen. Er bekommt umgehend Bescheid.
In einem LIDL decken wir uns erneut ein. Heute Abend wollen wir was Warmes essen.
Igor - unser Host - empfängt uns bereits am Parkplatz von diesem Wohnbunker. Er spricht russisch und ein wenig englisch.
Anmerkung: die Stadt Narva ist die russischsprachigste Stadt der EU. Wer hier "guten Tag" auf Estnisch sagt, erntet erst mal verblüffte Blicke.


"Ich hab schon was getrunken," so Igor.
"Wo sind wir denn hier gelandet," fragen wir uns, auch als wir später mit ihm durch den Keller / das Treppenhaus laufen.
Aufgrund unseres Gepäcks / dass wir ziemlich oben "wohnen", sind wir auf den Aufzug angewiesen. So richtig wohl ist uns beim Betreten des Lifts nicht.
In der 50 qm großen Wohnung dagegen fühlen wir uns gleich wohl.
Igor hat bei booking.com eine 9,9er Bewertung.



An unserem ersten Abend machen wir keinen Spaziergang - dafür dieses Foto.
Narva kann auch ganz ohne Fußmarsch Eindruck machen.
In Finnland wachten wir auf / in Estland schlafen wir ein: "head ööd" (Gute Nacht)!

36.Tag - Mittwoch, 08.07.26
Narva / EE
0 Km
"Staying alive"
Hatten wir mal wieder Vorurteile:
Wir haben gut und ruhig geschlafen. Und nach langer Zeit gibts an diesem Morgen für jeden ein Frühstücksei.
Also: alles gut, auch das Wetter!
Ralf nahm Narva aus folgenden Gründen mit in diese Reise auf:
- diese estnische Grenzstadt (mit gleichnamigem Fluss) liegt direkt an der russischen Stadt Iwangorod
- die hiesige Ordensburg (Hermansfeste) ist kein normaler Ausflug zu alten Steinen. Sie ist von draußen Mittelalter und von drinnen modern.
- Narva ist die drittgrößte Stadt der Republik Estland, eine wichtige Industriestadt und das Zentrum der russischsprachigen Minderheit Estlands. Etwa 95 % der Menschen sprechen "hier" russisch.
Wir sind gespannt auf diesen Tag / machen uns auf den Weg.


"Leider sind wir mal wieder zu früh," denkt Sigrid bei diesem Plakat.
Genau diese Formation mit Blue Weaver und Vince Melouney (ehemalige Musiker bei den Gebrüdern Gibb) haben wir vor Jahren in der Dortmunder Westfalenhalle erlebt.
Die "russische" Bauweise gefällt uns nicht.

Sigrid "begegnet" dem "Gentleman des Schach" -
Paus Keres.
Obwohl dieser nie Weltmeister wurde, besiegte er neun amtierende und ehemalige Wordchampion.


Diese Stadt hat Ralf schon lange auf seiner Wunschliste.

Am Grenzübergang zur Einreise nach Russland warten zahlreiche Ausreisende auf ihre Abfertigung. Für PKWs ist der Grenzübergang seit dem Ukrainekrieg gesperrt.

Auf gehts zur Burg.
Auf dem Innenhof steht ein Camper.
"Das kann doch nur ein Deutscher sein," denkt Sigrid.
Ein Stuttgarter Paar parkt dort / sind ganz begeistert von ihrem originellen Stellplatz.

Das hätten wir definitiv nicht erwartet: diese Festung (2019 komplett restauriert) übertrifft unsere Erwartungen.
Die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wurde hier richtig gut inszeniert.
Auf dem 51 m hohen Turm angekommen, steht man an der Außengrenze ( Flußmitte ) der EU zu Russland / auf der anderen Flussseite ist die russische Festung Iwangorod.
Beim Tower-Rundgang spricht uns ein finnisches Paar an, die Probleme mit ihrem Audioguide haben.
Und wieder mal sprechen 2 Menschen in "unserer" Sprache mit uns.
Sie studierte an der Musikhochschule in Detmold, war anschließend Au-Pair in Bremen.
Sigrid beobachtet im Innenhof ein Mädchen, die sich im Stelzenlauf versucht.
In unserer Kindheit war das "Riesenbeine machen" cool. Sigrids Stelzen waren eine Maßarbeit ihres Vaters.

Nach der Burgbesichtigung geht es zu einem Stadtspaziergang und am Fluß Narva entlang.
Auf dem Weg zum Apartment besorgt sich Ralf in einer Mall ein Kabel für sein Handy.


Narva lässt uns nicht "kalt": Noch am Abend "verarbeiten" wir diesen Tag.
37.Tag - Donnerstag, 09.07.26
Narva / EE -- Tartu / EE
238,4 Km
"Holding out for a hero" (Song von Bonny Tyler)
Der Aufzug hatte bereits gestern einen Black Out. Und auf einmal ging nichts mehr.
Wir haben Glück an diesem Morgen. Das Ding hat keine Aussetzer / bringt uns / unser Gepäck sicher von Stock 8 in die Katakomben.
Wir verlassen unsere Wohnanlage - gleiche Bauweise wie diese auf dem Foto.
Schöne Wohnungen bauen konnten die Russen noch nie.

Bis Tartu steht einiges auf unserer Liste:
Erster Stopp ist das Nonnenkloster "Kuremae".
Der Parkplatz sieht leer aus.
Aber: ein Pritschenwagen "versperrt" uns den Eingang. Und der ganz junge Arbeiter versteht uns nicht.
Sigrid hatte auf dem Weg dorthin ein P-Schild gesehen. Also zurück zum Parkplatz.
Anstatt die Straße zu laufen, nehmen wir den Naturpfad.
Ständig sehen wir Gedenktafeln - mal zu einem ehemaligen Krankenhaus / mal zu einer ehemaligen Apotheke.
Wir merken: dieser Umweg von 900 Schritten (laut Sigrids Apple Watch) hat sich gelohnt!

Wir betreten das "heilige" Gelände.
Der gesamte Weg bis zur Kirche ist mit Tannenzweigen dekoriert.
Anlass für diese Zeremonie ist die Beerdigung einer 85-jährigen Klosterfrau.
Andächtig stellen wir uns vor dieses Gotteshaus / hören dem engelsgleichen Gesang der Nonnen zu.

Woher Sigrid das Alter dieser verstorbenen Frau kennt:
Nach der Trauerfeier betritt sie die Kirche / fragt eine Nonne nach dem Alter der Verstorbenen. Diese tippt in ihren Taschenrechner erst die 8 und dann die 5.
Nachdem der Trauerzug das Klostergelände zur Beisetzung verlassen hat, schauen wir uns die Klosteranlage von außen an.
Auf dem Gelände kommt Sigrid ein alter/gebrechlicher Mann mit einer "Germany"-Kappe entgegen.
Dieses Foto von ihm genehmigte er. Wir haben verstanden, dass es Kasache ist.


Beim Rückweg kommen wir bei der Beisetzung vorbei. Dieser vorhin erwähnte Junge hilft beim Schaufeln.
Diese 30 Minuten haben uns nachdenklich gemacht.
Nächster Stopp: der "Peipussee"
Dieser ist der größte See Estlands und bildet die natürliche Grenze zu Russland.
Mit 3.555 qkm Fläche ist er etwa siebenmal so groß wie der Bodensee.
An einem Ufer halten wir / genießen den "Überblick", die schönen Klöster und die "painted Ladies".
Nächstes Tageshighlight:
Ein schottischen Märchen mitten in Estland:
"Schloss Alatskivi" ist der wehrgewordene Traum eines Adligen, der sich im 19. Jahrhundert so sehr in die königliche Residenz Balmoral verliebte, dass er sich einfach sein eigenes britischen Castle ins Baltikum setzt.
Schneeweiße Mauern, spitze Türmchen, Einblicke in das Luxusleben der Barone und die Welt der Dienstboten im Keller sowie der riesige Park und das Schlossrestaurant ziehen uns in deren Bann.
Und natürlich die wilde Natur nahe dem Peipussee.
Unseren Kaffee trinken wir in diesem Schlossrestaurant mit musikalischer Unterhaltung.
Sigrid setzt Shazam darauf an: "All the Small Things" von feat. Puddles City Party.

Gerade geht die Nachricht viral, dass die Sängerin Bonnie Tyler verstorben ist. So gerne haben wir dieser englischen Lady mit ihrer rauchigen Stimme zugehört!
90 Minuten verspätet verlassen wir das estnische "Balmoral".
Bereits heute Mittag bekam Ralf die Zugangsdaten für unser Apartment in Tartu.
Unterwegs werden wir gleich zweimal angeblinkt.
Grund: Warnung vor einem Blitzer. Nette/faire Geste!

Vor "unserem" Haus ist eine Großbaustelle. Dieses Wohngebiet bekommt ein neues "Facelift".
Einen Aufzug gibts leider nicht. D.h. für uns: mehrere Male ins 5. Stockwerk, jeweils 90 Stufen rauf und runter.
Das Apartment ist richtig gut. Der bei booking.com abgebildete Balkon ist derzeit leider abgebaut.



An diesem Abend laufen wir zum Restaurant "Hansatall". Auch hier verlassen wir uns erneut auf gute Rezensionen / werden nicht enttäuscht.
Morgen steht unsere Welt "Kopf".
Und das Beste: wir freuen uns drauf.

38.Tag - Freitag, 10.07.26
Tartu / EE
8,6 Km
"Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt."
Dieser Morgen - zumindest für Sigrid - fängt "gut" an:
- erst setzt sie das halbe Bad unter Wasser
- sie findet (erst) ihr Deo nicht
- WDR4 stellt das neue Album der Rolling Stones "Foreign Tonques" vor. Sigrid gefällt, was sie hört.
Unsere heutige Devise: "Lass und mal die Welt auf den Kopf stellen!"
Im "Upside down"-Haus am Rand von Tartu finden wir unseren "Traum für Jung und Alt".
Wir sind kreativ / haben das Haus auf den Kopf gestellt und uns gleich mit.


Inzwischen haben wir viel erlebt und gesehen / nur die City von Tartu ist uns bisher unbekannt,
Das ändern wir sofort:
Anmerkung zu Tartu:
Tartu ist die zweitgrößte Stadt Estlands (98,000 Einwohner) und Universitätsstadt.
Unser Lieblingsfoto trägt die Überschrift: "Schlafwandeln für Profis.
Danach sind unsere Handys auf 0%.
Also zurück ins Apartment / was essen / nachladen.

In einem zauberhaft Café - gleich gegenüber der Universität - machen wir die Bekanntschaft mit einer deutschen Familie aus Frankfurt.
Die Mama stammt aus Moldawien, der Papa aus der Ukraine.
"Und ich bin Maximilian, und ich bin deutsch," erklärt uns dieser Junge mit wunderschönen Augen.
Diese Familie hat schon einiges von der Welt gesehen.
Und in 10 Jahren wollen Vater und Sohn eine Radreise unternehmen. Alles Gute für Euch!



Auf dem "Nachhauseweg" schauen wir uns das "AHHAA Science Centre - eine wichtige Anlaufstelle für Weltraum- und Wissenschaftsthemen in Estland - von außen an.
Leider verlassen wir bereits morgen Estland.
Der Rückweg läuft - aber unsere Highlight-Liste geht weiter.
39.Tag - Samstag, 11.07.26
Tartu / EE -- Preiji / LV
296,0 Km
"Wo laufen Sie denn?"
Schlüssel zurück in die dafür vorgesehene Box / wir verlassen unser Apartment.
Bei "CircleK" tanken wir nochmal voll.
Wir verlassen die Großstadt Tartu / kurze Zeit später sind wir in einem "Olympiadorf" unterwegs.



Den letzten Stopp in Estland machen wir am "Schloss Rogosi", allerdings nur von außen zu besichtigen.

"Munamägi" heißt übersetzt "Eierhügel" - und dieser ist 318 m hoch und der höchste Berg Estlands.
Eine Wanderung zum Gipfel haben wir ausfallen lassen.
Zu spät für ein Video: Wie aus dem Nichts taucht ein "Skilangläufer" auf - allerdings auf Rollen.
Sigrid ist so begeistert davon / dass Sie später aus uns "Alpinisten" macht.


Bis zur lettischen Grenze fahren wir über Land.
Gleich hinter der lettischen Grenze verlässt Ralf die Landstraße / biegt links ab.
Ab hier hätten wir einen "Off Roader" gebraucht. Die uns entgegenkommenden Fahrzeuge kennen wohl diese Schotterpiste / schießen an uns vorbei.
Das Abenteuer geht weiter.
Ähnlich der rumänischen "Carrerabahn"-Piste (2025 überquerten wir die Transfagarasan) gehts über Stock und Stein und dies ziemlich kurvenreich.
In "Alüksne" (auf deutsch Marienburg) wollen wir uns das Schloss ansehen / was essen.
Im "Gustins" (wiedermal eine Internetempfehlung) essen wir dann sehr gut und günstig.
Sigrid bedankt sich später bei der netten Bedienung mit "paldies" (Danke auf lettisch)
Unser Zielort haut uns zunächst nicht "vom Hocker" - dazu später mehr.
Wir beziehen unser Apartment mit dem wunderschönen Namen "Charming stay".
Gäste-WC, komplette Einrichtung und sogar eine Hängeschaukel auf dem Balkon gehören zum Interieur.

Ralf hatte ein Restaurant ausgewählt. Wir machen uns auf den Weg.
Dabei lernen wir diesen fast 6.000 Einwohnerort incl. wunderschönem Stadtpark / dessen Jugend kennen.
Ein paar Jugendliche sind gerade mit dekorieren beschäftigt. Von der Bühne kommt coole Musik.
Sigrid will wissen, worauf man sich heute Abend freut.
"Gleich kommt "Ozols"," freuen sich die Girls, die gerade damit beschäftigt sind, silberne Ballons aufzupusten.,
Wer ist dieser "Star":
Ozols (Jahrgang 1979) ist einer der absoluten Pioniere und bekanntesten Vertreter des lettischen Hip-Hop.
Seine Karriere begann 1995 als Mitglied der FACT, der allerersten Hip-Hop-Gruppe Lettlands. Seitdem hat er die Musikszene in Riga und landesweit geprägt.
Der Eintritt ist frei / nur die Burger und Getränke müssen bezahlt werden.
Das von Ralf ausgesuchte Restaurant hat zu.
Gezwungenermaßen disponieren wir um / machen in einem MAXIMA Einkäufe.
Unsere Alternative für diesen Abend (Baguette, Salami und französischer Käse) gefällt uns auch viel besser.
Morgen erwartet uns die vierte Hauptstadt dieser Reise - habt Ihr bereits eine Ahnung, um welche es sich handeln könnte ....?
40.Tag - Sonntag, 12.07.26
Preiji / LV -- Vilnius / LT
243,2 Km
"Verhüllung ist Verheißung" (Christo)
Beim gestrigen Einschlafen hörten wir noch dezent die Musik von der Festwiese.
Sigrid wurde in dieser Nacht mal wieder das Opfer der lettischen Mücken. Obwohl sie bestens bestückt mit einem "Stich-Notfall-Kit" ist - keine Chance.
Beim Frühstück hören wir WDR4. Motto dieses Sonntags ist die "Eiszeit".
Hörer rufen an / berichten von ihren "Eiszeiten" während ihrer Jugend / schwärmen von ihren Lieblingssorten.
Obwohl die Welt sich um "180 Grad" gedreht hat: Vanilleeis war und ist Favorit.
Um halb 10 h verlassen wir Preiji bei grauem Himmel.
In Daugavpils schauen wir uns die russisch-orthodoxe Kirche "Boris und Gleb" an.
Sigrid hält sich natürlich an die gewünschte Kleiderordnung.
Als eine "Ehrenamtliche" Sigrid noch ein Tuch umbinden will, ist für Sigrid der Besuch "gegessen".
Ralf kommt mit seinen kurzen Hosen rein.


In einer anderen Straße finden wir die "Nikolauskirche".
Wir fragen uns, in welchem Zeitalter leben "diese" Religionsbrüder?
Hier ein Auszug auf einer Hinweistafel!

Wir überqueren die "Duna" / sehen das Sign von "Daugavpils" und halten an.


Neben uns parkt eine Truppe aus Riga, die auf dem Weg zu einem Racing-Event ist. Wenn "SHELL" Hauptsponsor ist, muss dies eine größere Sache sein.
Pünktlich zur Mittagszeit sind wir in Litauen.
Unweit der Grenze sehen wir an einem Restaurant das "OPEN"-Schild.
Im Restaurant ist ein Tisch reversiert / wunderschön eingedeckt. Anlass ist ein Jahrgedächtnis.
Unsere Kartoffelpuffer - gefüllt mit Hackfleisch, Zwiebeln und Sahnesoße, sind so mächtig, dass wir uns die Reste einpacken lassen.
Bereits gestern bekam Ralf von unser Vilnius-Vermieterin Zugangsdaten und das Foto vom Eingangstor.
Im LIDL kaufen wir alles für unsere Zeit in der litauischen Hauptstadt ein.
Auf dem Rollband liegt u.a. Bier.
"Es ist 15.02 h, und an einem Sonntag nach 15 h gibt's keinen Alkohol," so der Mann in "blau-gelb".
Ähnliches erlebten wir mal während einer Radtour in Frankreich.

Reibungslos verläuft die finale Zufahrt zum Apartment nicht.
Zuerst ist eine von Google Maps empfohlene Straße gesperrt. Ralf macht sich zu Fuß auf den Weg und findet dann doch das Apartment und den Zugang. Der Schlüssel befindet sich in einer Briefkastenbox.
Was fehlt ist der Schlüssel fürs Hoftor, der nicht an diesem Schlüsselbund baumelt.
Gott sei Dank fährt gerade jemand raus / und wir rein.
Sigrid läuft erneut zum Briefkasten / sieht eine olle Handyhülle. Und tatsächlich auf dieser befindet sich der Transponder für die elektrische Türöffnung. Das muss man erst einmal erahnen. Die Vermieterin hatte es nicht mitgeteilt.
Nicht nur dieses Teil hat seine besten Tage hinter sind sondern auch unser Apartment.
Zu Beginn gefällt uns Vilnius überhaupt nicht.
Die Straßen im Citybezirk - mit kleinen Läden und Restaurant - sind eine komplette Baustelle.
Ein uns entgegenkommendes Paar sprechen wir an / wollen den kürzesten Weg in die Oldtown wissen.
Er antwortet erst in perfektem Englisch, wechselt später zu akzentfreiem Deutsch.
Geboren wurde er in Russland / seit 15 Jahren lebt er in Vilnius.
Er ist mit seiner Freundin auf dem Weg in ein Museum. Beide haben sich vor einer Woche kennen gelernt.
"War Christo in dieser Stadt," fragen wir uns.
Das Rathaus ist komplett verhüllt.
Wir sammeln noch einige Impressionen / machen uns auf den Rückweg.
Abends recherchiert Sigrid über Vilnius:
- 611.000 Einwohner
- genannt "Rom des Nordens"
- die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe
- mit mehr als 60 % Grünfläche ist sie eine der grünsten Hauptstädte Europas
- das Viertel "Republik Uzupis" vergleicht man gerne mit dem Montmartre in Paris
Das alles hört sich doch ganz gut an.
Vielleicht haben Riga, Tallinn und Helsinki die Messlatte sehr hoch gelegt.
Für morgen haben wir uns einiges vorgenommen.
41.Tag - Montag, 13.07.26
Vilnius / LT
0 Km
"Träumer, Tramps und Clowns"
In der Nacht hatte es geschüttet.
"Ist der Wagen wenigstens mal sauber," so Ralf.
Bei blauem Himmel machen wir uns - jeweils mit
2 Wasserflaschen - um 10 h auf zu "Vilnius 2.0".
Vorher hatte Ralf unserer Sightseeingliste ein Upgrade verpasst.
Das erste Fotomotiv ist das "Verteidigungsministerium".
Uns fallen überall ukrainische Flaggen auf / die Rollbandanzeige in sämtlichen Bussen zeigt "Vilnius love Ukraine".
Warum ist das so: Litauen setzt seit Beginn des Ukraine-Krieges ein starkes Zeichen für Solidarität.
Seit Beginn dieses Krieges zeigen die Busse in dieser Stadt gut sichtbar Flagge für die Ukraine, getragen von der tiefen historischen Verbundenheit.

Wir sind im Zentrum der Macht!
In unmittelbarer Nähe befindet sich der Präsidentenpalast.
Es wird heißer und heißer.
Abkühlung und Wind bekommen wir von oben: mit der Standseilbahn fahren wir zur "Gediminas-Burg"- das unverkennbare Wahrzeichen dieser Stadt.
Der Blick vom "Tafelberg" verspricht die perfekte Aussicht auf rote Dächer, Kirchtürme und die moderne Skyline auf der anderen Flussseite.
Weiter geht's zur St. Annes Church.
Beim Schlendern durch die "Straße der Literatur" trinken wir im Cafe "Beigelistai" Kaffee.
Diese Straße ist ein super charmantes Oper-Air-Museum. Sie zweigt direkt von der trubeligen Hauptstraße Pilies ab und verwandelt eine schmale, kopfsteingepflasterte Gasse in eine lebendige Kunstgalerie.
Hier werden nicht nur litauische Schriftsteller geehrt sondern auch solche mit Bezug auf dieses Land.
Günter Grass gehört dazu.



Sigrid beobachtet die Arbeiten der Firma "Patagonia". Es sieht nach Dreharbeiten aus.
Heute morgen und morgen früh fanden/finden Dreharbeiten für einen litauischen Kinofilm statt.
Handlung: die Adoption eines Mädchens.
"Ich hab was für Dich," so macht Ralf Sigrid neugierig.
Das "Objekt der Begierde" ist das Szeneviertel "Uzupis".
Wir überqueren die "Uzupis"-Brücke mit ihren vielen Liebesschlössern.
Beim Blick nach unten entdecken wir die "Meerjungfrau" von Uzupis.



Bedeutung; In "Uzupis" liebt man Mythen.
Die Legende besagt, dass diese Meerjungfrau jeden verzaubert, der ihren Blick einfängt.
Wer ist zu lange in die Augen schaut, erliegt ihrem Charme, verliebt sich unsterblich in dieses Viertel und will die Künstlerrepublik nie wieder verlassen. Sie ist sozusagen die metaphorische Grenzwächterin, die die Besucher emotional an diesen magischen Ort fesselt.
Drama im Jahr 2004: Bei einem schweren Hochwasser trat die "Vilnia" über die Ufer und riss die Meerjungfrau mit.
Taucher suchten den Fluss ab, fanden sie zum Glück unversehrt im Flussbett und setzten sie wieder auf ihren rechtmäßigen Platz zurück.
Willkommen im Abenteuerland!
Die Welt der "Uzupitaner" gefällt uns:
Aus Spaß haben die Uzupis Bewohner 1997 ( natürlich am 1.April) die
FREIE REPUBLIK UZUPIS
ausgerufen. Seitdem gibt es eine Verfassung ( in 44 Sprachen ), einen Präsidenten, eigene Pässe und sogar eine eigene Armee.
Mittlerweile ist der Stadtteil zu einer Touristenattraktion geworden.



Unser Rundgang ist beendet / über eine Treppe laufen zurück in die "Realität".
Sigrids Creme geht zu Neige. Im Zentrum gibts eine Filiale von "Douglas".
Spätestens auf dem Weg dorthin bemerken wir die Schönheit von Vilnius.
Die "Gedimino Avenue" und ihre Nebenstraßen sind ganz großes "Bau-Kino".

Nach 5 Stunden unterwegs und jeweils 12.000 Schritten gehts zurück in unser Apartment.
Auf unserem Balkon stellt Ralf unsere Campingstühle auf - wir lesen / genießen die Stille dieser Großstadt.
42.Tag - Dienstag, 14.07.26
Vilnius / LT
0 Km
"Es ist besser, etwas zu haben, an das man sich erinnert, als etwas, das man bereut."
(Zitat Franz Zappa über Erinnerungen)
Da wir gestern "fleißig" waren, stehen heute nur 2 Punkte auf unserer Liste:
der Palast der Großfürsten und das KGB-Gefängnis.
Recht leicht bekleidet wagt Sigrid sich nach draußen. Es wird ziemlich lange dauern, bis sich an diesem Tag die Sonne durchsetzt.
Unser Besuch im Palast der Großfürsten von Litauen (direkt an der Kathedrale) fühlt sich an wie eine Zeitreise.
Obwohl das prachtvolle Gebäude ab 2002 komplett neu aufgebaut und 2013 wiedereröffnet wurde, tauchen wir hier in die echte, goldene Geschichte der litauischen Herrscher ein.
Unsere Eintrittsgebühr von 5 €/Person ist jeden Cent wert!
2 Kilometer weiter landen wir auf dem Gelände des KGB-Gefängnisses "Lukiškiu".
25 €/Person-Eintrittsgebühr wollen wir nicht zahlen.
Die Besichtigung des Innenhofs ist kostenlos.
Was früher das "Hauptquartier des Schreckens" war, ist heute ein Museum und Kulturzentrum.
Unterwegs "begegnen" wir Örtlichkeiten / Gebäude, die wir gestern von der "Gediminas Burg" sahen.
U.a. sehen wir die "Twinsbet Arena". Am 21. November d.J. hat Thomas Anders dort sein großes Jubiläumsevent
"40 Jahre Modern Talking".
Einen Teil dieses Nachmittags verbringen wir im Apartment.
Gestern machte uns google.maps auf eine Statue - ganz in unserer Nachbarschaft - aufmerksam.
"Lass uns "Frank Zappa" besuchen," schlägt Sigrid vor, als wir auf unseren 2. Spaziergang an diesem Tag machen.
"Was hat Zappa mit Vilnius zu tun," will Sigrid wissen.
Antwort:Er war der Inbegriff von Rebellion, Antikonformismus und freiem Geist - genau das, was die damalige Jugend nach Jahrzehnten der sowjetischen Zensur feierte.
Zappa war nie in Vilnius.
Leider sind die besprühten "Kunstwerke" an der Mauer aufgrund Moosbefall nicht mehr erkennbar.

Die "Gediminas-Avenue" hatte es uns gestern angetan.
Noch einmal zieht es uns in diese 1,8 km lange "Kö" / die sich erstreckt zwischen dem historischen Domplatz bis zum Parlamentsgebäude.
Unser letzter Besuch für heute / die Innenstadt von Vilnius widmen wir der "Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus".
Während unseres Aufenthaltes findet ein Gottesdienst statt.
Ralf ist ganz begeistert von der Replik des "Turiner Grabtuchs".
Anmerkung: Dieses Tuch hängt in einer der Seitenkapellen.
Diese detailgetreue Nachbildung des berühmten Leinentuchs wurde Vilnius im Jahre 2000 geschenkt. Sie war jedoch lange Zeit unter Verschluss / ist erst nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten seit 2021 dauerhaft für die Öffentlichkeit zu sehen.
An diesem Abend futtern wir Pizza aus der Nachbarschaft.
Gegenüber unserem Apartment befindet sich der "Reformators Park". Und dort gibts die Pizzeria
"7 Fridays" mit guten Rezensionen.
Morgen früh brauchen wir die vorgenannte Handyhülle mit dem QR-Code / wir verlassen mit unserem Auto für paar Stunden Vilnius.

43.Tag - Mittwoch, 15.07.26
Vilnius / LT
63,0 Km
"Zwischen alten Mauern und stillen Wassern"
Der gestrige (Fußball-)Abend war für Ralf lang.
Bis zum Schluss fieberte er beim WM-Spiel Frankreich gegen Spanien mit.
Der Wecker bleibt heute still.
Dennoch - trödeln wollen wir auch heute nicht.
Unser heutiges Ziel ist die Wasserburg in Trakai - "das" litauische Wahrzeichen und für uns ein märchenhaftes Abenteuer.
Mitten auf einer Insel gelegen - scheint sie auf dem See zu schweben.
Die Anwohner des Ortes sind sich dieser Berühmtheit bewusst - vermieten Stellplätze auf ihren Privatgrundstücken.
Bei einer Anwohnerin zahlen wir 7 € für unseren Aufenthalt.
Vom Festland führt eine 300 m lange Holzbrücke zu einer Insel auf dem Galve-See.
Es ist stark bewölkt, und daher wirkt alles ein bisschen mystisch.

Pünktlich beim Öffnen der Pforte um 10 h sind wir dort.
In einer Stunde sammeln wir unsere Eindrücke / machen unsere Fotos.
Inzwischen ist es richtig warm geworden.
Und das "perfekte" Foto klappt auch nicht. Der Andrang zur Burg ist inzwischen riesig.
Wir wagen einen Perspektivwechsel / mieten ein Tretboot, zumal die Wolken jetzt auch mal die Sonnen durchlassen.
Mitten auf dem glitzernden Galve-See lassen wir den Trubel hinter uns.
Spielend leicht bestimmen wir während unserer einstündigen Fahrt Ziel und den perfekten Fotowinkel.
Begeistert verabschieden wir uns von Traikai.

Auf dem Rückweg "landen" wir am "Hill of Angels".
Im Jahr 2009 feierte Litauen seinen 1.000 Geburtstag. Zwei findige Frauen wollten dem Land etwas Bleibendes schenken. Die Behörden sagten zwar: "Schöne Idee, aber wir haben kein Geld," doch die Litauer fackelt nicht lange.
Sie starteten das wohl spirituellste Crowdfunding des Baltikums.
Geplant waren ursprünglich 10 Engel - einer für jedes Jahrhundert. Daraufhin verfielen die Litauer in einen kollektiven Schnitzrausch.

"Zwei Engel auf einem Bild. Der eine ist aus Holz."
Die Zeichen stehen auf Abreise / nicht nur aus Vilnius sondern auch von den Baltischen Staaten.
In den letzten Tagen machten wir das Baltikum im Schnelldurchlauf / mit Vilnius als krönenden Abschluss.
Vilnius haben wir richtig "lieb gewonnen" - unzählige Kirchen, prachtvolle historische Gebäude, die Stadt von oben / unten und das Alternativviertel "Uzupis" machten diese Stadt für uns einzigartig.
Von der Geschichte und dem Charme dieser Stadt waren/sind wir begeistert.
Anmerkung: 2 - 4 mal pro Woche fliegt Wizz Air "Dortmund - Vilnius" an.
Auch wenn wir morgen "sudie Lietuva" sagen:
"Litauen, Du warst jede Minute wert."
Unser Motto für Morgen: "Baltikum im Herzen / Polen im Visier.
44.Tag - Donnerstag, 16.07.26
Vilnius / LT -- Grajewo / PL
264,5 Km
"Wortsalat"
Dieser Tag "schenkte" uns eine Stunde. Die "mitteleuropäische Zeit" hat uns wieder.
Geplant war, dass wir die gestrige "Wasserburg" heute machen - da diese auf dem Weg liegt.
Wir sind froh, dass wir dies gestern - ohne Zeitstress - machen konnten. Und diese wunderschöne Tretbootfahrt hätten wir sicherlich nicht gemacht.
So fahren wir durch zu unserem ersten Stopp: dem "Merkinè Observation Tower" im Nationalpark Dzūkija - mit Blick auf die Memel und das Reservat.
In 25 m Höhe haben wir den besten Logenplatz mit großem "Memel"-Kino.

Um 12.30 h reisen wir aus Litauen aus / in Polen ein.
Rechts gehts auch für uns in die "Boxengasse" rein.
Brav zeigen wir unsere Ausweise.
Sigrid begrüßt lächelnd den Grenzbeamter mit "dzień dobry" und bedankt sich mit "dziekuje".
Danach versteht sie nur "genialny" - was auf deutsch "brilliant" heißt. So funktioniert "deutsch-polnische Freundschaft".

Willkommen zurück in Polen:
In der "Bar Slodki Kacik" im Ort Giby ordert Ralf erstmal eine Gofry
(Ihr wisst - die Wonderwaffle").
Unseren Verdauungsspaziergang machen wir zum nahe gelegenen See.

Ralf gibt die Zieladresse ein.
Sigrid nutzt einen Teil der 80 km-Strecke zum recherchieren - u.a "wo gibt's das beste Waffeleisen?"
Willkommen in Grajewo:
Unser Vermieter - Thaddäus - heißt uns herzlich willkommen auf deutsch, bittet uns noch ein wenig zu warten. Unsere Betten müssen noch bezogen werden.
"In unserem Gartenpavillon ist eine Kaffeemaschine. Bedienen Sie sich."
Wenige Minuten später: unser Apartment ist geräumig und mit allem ausgestattet.


Bis zum Abendessen macht jeder sein Ding:
Ralf schaut sich die heutige Etappe der Tour de France an - heute für uns interessant, da wir im vergangenen Jahr durch "Chalon-sur-Saōne" radelten,
350 m vorm Ziel kommt es zu einem folgenschweren Massensturz. Wir sind beide entsetzt.
Für Sigrid ist Zeit für "Wellness".
Am Abend hören wir auf Thaddäus / speisen im "Spóldzielcza 1" - einem Restaurant mit moderner europäischer Küche - laut Eintrag im Internet.
Seht her - kann sich dieses Essen nicht sehen lassen!
Und lecker war's außerdem.



Beim Schreiben an diesem Abend fällt Sigrid bei der polnischen Schreibweise wieder auf: ständig polnische Akzente, ausschließlich Konsonanten, Häkchen und durchgestrichene Ls.
Während dieser Reise werden wir u.a. in Rzeczyca (Gemeinde Świebodzin) sein - wie einfach klingt doch Dortmund!
Apropro Dortmund: von Grajewo bis zu unserem Wohnort sind´s nur noch 1.233 km.
45.Tag - Freitag, 17.07.26
Grajewo / PL -- Warschau / PL
219,8 Km
"Einige Menschen begegnen uns wie ein Sommerregen - unerwartet, erfrischend und genau im richtigen Moment"
Heute gehts in die 5. Hauptstadt dieser Reise - nach Warschau.
Beim Tisch decken sieht Sigrid ein Waffeleisen im Küchenschrank. Das hatten wir bisher noch nicht.
Thaddäus ist zu 90 % ausgebucht. Wir freuen uns mit ihm und seinen zufriedenen Gästen, zu denen auch wir gehören.
Vor zwei Jahren lernten wir in Istanbul den Polizisten Mustafa kennen.
Aktuell postet er auf Instagram ein Foto von ihm / im Hintergrund der "Galata-Turm".
Seit unserem Kennenlernen sind wir regelmäßig via Instagram mit ihm in Kontakt.
Sigrid kommentiert das Foto / schickt ihm ein Foto mit gleichem Motiv von uns.
Mustafas Antwort rührt Sigrid zu Tränen: "Ihr seit bei mir ganz oben auf der Liste der schönsten/erfüllensten Begegnungen, die ich in meinem Leben erlebt habe."
Daher meine Bitte an Euch: "Sprecht Menschen einfach an. Es entstehen wunderbare Geschichten."
Beim Tanken stellen wir an diesem Morgen fest, dass seit unserer Abreise aus Polen zwischenzeitlich der Preis um 25 Cent nach oben "kletterte".
75 km entfernt von Grajewo liegt auf unserem Weg die "Bunkeranlage von Nowogród".


Wo einst Soldaten die Stellung hielten, regiert "heute" der pure Sommerspaß.
Dieser Junge Kinde hat den alten Bunkerhügel kurzerhand zur Montainbike-Piste umfunktioniert.

In einem Cafe wählt sich Ralf ins WLAN-Netz ein / nimmt erneut Kontakt zu unserem Hauptstadt-Vermieter auf.
Sigrid kümmert sich um unseren Einkaufszettel.
Die Fahrt geht weiter / wir nähern uns Warschau.
Noch kein Bescheid vom Host. Einkaufen lohnt sich erst dann, wenn wir die Zugangsdaten bekommen.
Endlich - "Warschau" meldet sich. Alles ok!

Auch für Sigrid sind diese "Anlagen" inzwischen lediglich stumme Zeitzeugen.

Unser Hauptstadt-Quartier befindet sich in einer recht neuen Wohnanlage am Rande Warschau´s.
Gott sei Dank "erwischen" wir einen Parkplatz direkt vor der Eingangstür.
Das Apartment gefällt uns.
Aber: wir vermissen die "polnische" Sauberkeit / Gründlichkeit.
Spätestens beim Anblick dieses Topfes hört bei uns die "Freundschaft" auf.



Die 40 Grad auf dem Thermometer nähern sich an diesem Nachmittag.
"Wir bleiben zuhause," unsere vernünftige Entscheidung.
Der Kühlschrank ist ja gut gefüllt!
Schon viel gehört von der polnischen Hauptstadt haben wir bereits. Morgen "greifen" wir an.
Die Fahrtroute in die City hat Ralf bereits rausgesucht.
46.Tag - Samstag, 18.07.26
Warschau / PL
0 Km
"Kniefall mit tiefer Bedeutung"
Nachts hatte es geregnet.
Beim Frühstück besprechen wir den heutigen Ablaufplan.
Die anderthalb Kilometer bis zur METRO laufen wir.
Für umgerechnet 3 €/Person ziehen wir am Automaten ein Wochendticket. Der Ablauf funktioniert reibungslos. Hier finden wir sie wieder, die polnische Sauberkeit.


Mit der "2" fahren wir bis zur Kopernikusstraße.
"Wie ein spontaner Ausflug ins All" - so empfinden wir diese Rolltreppenfahrt.

Wir laufen entlang der Weichsel, sind recht nahe am "National Stadion", staunen über diese "Ninja Warriors".


Hier kann man diesen Samstag gut aushalten.
"Ist nicht gerade auch der Rhein ziemlich leer," denken wir bei diesem Anblick.


Mit dem "Zamek Królewska" starten wir unseren Hauptstadtbesuch.
Ralf mit Audioguide / Sigrid lässt sich von Ort und Zeit inspirieren.
Anmerkung: Das "Warschauer Königsschloss" ist kein verstaubtes Museum, sondern das größte und glamouröseste architektonische Puzzle der Welt.
1944 wurde es von den deutschen Besatzern komplett gesprengt. In den 1970er Jahren bauten die Polen es aus Ruinen und alten Gemälden originalgetreu wieder auf - finanziert von Spendengeldern.
U.a. hängen hier zwei echte "Rembrandts", die den Krieg in einem geheimen Versteck überstanden haben.
Wir sind durch / es regnet.
Im Schloss-Cafe genießen wir eine kurze Auszeit.
Nicht alle Menschen - auch wir heute nicht - sind so schön gekleidet.
Im Hintergrund läuft "Californication" von den Red Hot Chili Peppers.


Diese Hauptstadt hat alles zu bieten: Historie / Leben im hier und jetzt / Originalität und Kommerz.
Was uns negativ auffällt, sind Zigeunerkinder beim Betteln.
Schön gespielte / dargebotene Musik in Städten mögen wir gerne. Das "Akkordeonspielen" dieser Kinder dagegen nicht, dann doch lieber den Leierkastenmann.
Auf den Spuren des "Warschauer Ghettos" bewegen wir uns an einem Teil dieses Nachmittags.
Auf einmal sind wir dort, an dem Willy Brandt am 7. Dezember 1970 stand:
"Ein stummer Kniefall, der die Welt bewegte."
Zu diesem Zeitpunkt waren wir 13 und 12 Jahre alt.
Die Einkaufsmall "Zlote Tarasy" - das architektonische Shopping-Herz von Warschau) ist als nächstes dran - mit seinem spektakulären, wellenförmigen Glasdach und dieser "Hard Rock Cafe"-Gitarre.
Sigrid benötigt für ihre harten Kontaktlinsen das entsprechende Mittel. Bekommen hat sie dies nicht, dafür aber einen neuen / stylischen Hut.


"Guck mal, Bocelli tritt hier auf," so Sigrid
Tatsächlich: Andrea Bocelli tourt am 16.8. d.J. in Warschau. Die Ticketpreise liegen zwischen 60 und
200 €.


Dieses markante Gebäude "begegnet" uns seit langem - mal aus der Ferne / mal aus der Nähe.
Sein Name ist "Kulturpalast", für Sigrid ist es das "Empire State Building" von Warschau.
Anmerkung: Dieser "Palast" ist ein zwischen 1952 und 1955 auf Anordnung Stalins errichteter 237 m (44 Etagen) hoher Wolkenkratzer im Zentrum dieser Hauptstadt.
Bisher ist er das zweithöchste Gebäude Polens.
U.a. sind ein Multiplex-Kino mit 8 Sälen, verschiedene Restaurant und Bars in diesem Objekt.
Unseren Besuch / die Aussicht von oben absolvieren wir morgen.
Für heute haben wir viel gesehen / erlebt.
Diese Eindrücke wollen wir im Apartment verdauen / niederschreiben.
Jeweils 17.000 Schritte für heute reichen uns.
47.Tag - Sonntag, 19.07.26
Warschau / PL
0 Km
"Warschau an 2 Tagen - zwischen Königsschloss, Wolkenkratzern und Seifenblasen"
Am liebsten mag Sigrid Tage ohne großen Plan:
Einfach mal still stehen / beobachten / im Hier und Jetzt entscheiden, wie's und wo´ s weitergeht.
So ein Tag sollte es heute werden. Und heute mit dem neuen Hut.
Das Warschauer "Empire State Building" (Varso Tower) öffnet um 10 h.
Und wir wollen mit die ersten Besucher an diesem Sonntag sein.
Schon der Eingangsbereich ist sehr fotogen.
Ein Einweiser zeigt uns den Weg zum Aufzug.
"Wie schön / cool ist denn bitte diese Stadt," denken wir beim Anblick aus dem 30. Stock.
Ein Raum in der obersten Etage ist Ikonen gewidmet, die jeweils Meister der menschlichen Leistungsfähigkeit sind - ob im Sport oder in der Raumfahrt.
Beim Rausgehen trifft uns fast der Schlag: von der Aufzugtür bildet sich eine endlose Schlange.
Uns fällt gerade ein, dass wir in 3 Monaten mal wieder vor dem Original stehen.
Auch aus der Ferne werden wir diesen Anblick nicht los.



Nach dem Trubel im Wolkenkratzer zieht es uns weiter zur "Heilig-Kreuz-Kirche".
Drinnen herrscht eine feierliche, fast magische Stille.
Wir treten an eine der mächtigen Steinsäulen heran - genau hier ist es eingemauert: das echte Herz von
Frédéric Chopin, das seine Schwester einst heimlich in einem Glas Cognac nach Warschau schmuggelte.
Es ist ein seltsamer, faszinierender Gedanke. Während sein Körper auf einem berühmten Pariser Friedhof ruht, schlägt die Seele seiner Musik für immer hier, im echten Heimathafen in Polen.
Eine perfekte Zweiraumwohnung für die Ewigkeit: Frankreich behält den eleganten Geist, aber Warschau das Herz.


Weiter gehts zum Grab des "unbekannten Soldaten".
Hier brennt die Sonne inzwischen gnadenlos. Die beiden Wachen in ihrer Komplettuniform bedauern wir aufrichtig. Eine Stunde müssen sie durchhalten - dann wird gewechselt.


Ralf macht es sich auf einer Parkbank im "Sächsisches Garten" im Schatten gemütlich.
Sigrid jagt wie ein glückliches Kind hinter schimmernden riesigen Seifenblasen hinterher, die ein Mann aus einer großen "Spülschlüssel" in den Himmel zaubert.
Warschau hat aktuell 1.86 Millionen Einwohner im offiziellen Stadtgebiet.
Jährlich besuchen rund 12,2 Millionen Touristen diese Stadt.
Die Straßen und Gebäude sind gepflegt und fotogen.
Die Menschen "begegnen" sich höflich.
"Wo trinken wir heute unseren Kaffee," will Ralf wissen.
"Natürlich im "Bristol", so Sigrid.
Anmerkung: das "Bristol" ist das 5 Sterne-Hotel mit großer Tradition in der polnischen Hauptstadt.
Wer hier bereits übernachtet hat, zeigt im Eingangsbereich (vorm Cafe) die "Wall of Fame".
Namen wie Michael Jackson, Bill Clinton, Sir Paul McCartney, Marlene Dietrich und Claudia Schiffer sind nur wenige der Celebrities.


Zuletzt stehen wir am Warschau-Schriftzug - gegenüber dem "Hard Rock Cafe".
So bunt und fotogen wie diese Buchstaben werden wir diese Stadt in Erinnerung behalten.
Seit diesem Morgen und jeweils 17.000 Schritten kommen wir in unser Apartment zurück.
Warschau hat unsere Erwartungen übertroffen .... und unsere Schrittzähler gleich mit.
An diesem Abend wird "Spanien" Fußballweltmeister. Wir gratulieren "Felicidades".
Seit wir wieder in Polen sind, hält Sigrid unsere Freunde Renate und Max auf dem Laufenden.
Renate verbrachte einen Teil ihrer Kindheit und ihre Jugend in einer polnischen Kleinstadt (die wir bald wiedersehen).
Gestern Abend erfuhren wir, dass Renate 1955 im Alter von 19 Jahren im hiesigen "Nationaltheater" tanzte.
Übernachtet wurde in einem Hotel nahe der Weichsel.
Leider ist aktuell um dieses Gebäude ein Großbaustelle aufgebaut. Und ein Betreten war leider auch nicht an diesem Nachmittag möglich.

48.Tag - Montag, 20.07.26
Warschau / PL -- Lodz / PL
152,6 Km
"Theo wir fahren nach Lodz" (Ohrwurm von Vicky Leandros)
Um 10 h gehts los.
Beim Rausfahren aus Warschau kommen wir am Fußballstadion dem "PGE Narodowy" vorbei.
Robert Lewandowski, Christian Ronaldo und Kylian Mbappé liefen hier auf.
An einer "Orlen" tankt Ralf nach.
Wie in Deutschland - hier die polnischen "Kicker".

Dem "Schloss Wilanow" und seiner Gartenanlage im gleichnamigen Ort, am Stadtrand von Warschau widmen wir zuerst einen Besuch.
Diese Anlage ist aus dem 17. Jahrhundert / hat beide Weltkriege völlig unbeschadet überstanden.
Eine spektakuläre Licht- und Videoshow lockt im Winter die Besucher an.

Nach 2,5 Stunden machen wir uns dann auf den Weg nach Lodz.
Unterwegs erhalten wir die Zugangsdaten unseres Vermieters aus Lodz.
"Auch nicht anders als an einem Montag in Deutschland," sagt Sigrid beim Auffahren der gut befahrenen Autobahn.
Um 13.30 h - der Himmel öffnet seine Tore!

Eine halbe Stunde später erreichen wir die drittgrößte Stadt Polens: L O D Z
Unser Apartment befindet sich in der citynahen "Nawrot-Straße 2.
Das Auto parkt im Innenhof.
Obwohl die Wohnung kleiner als gedacht ist, gefällt sie uns.
400 m entfernt ist ein Einkaufszentrum / mit einem LIDL im Keller.
Sigrid "arbeitet" ihren Einkaufszettel für einen gemischten Salat ab - läuft Meter um Meter.
Und dann: kein Salatdressing.
Was danach kommt, bemerkt Sigrid später auf ihrem Schrittzähler.
Die bereits eingepackten Sachen zurück an ihren Platz.
An diesem Abend gibts Gemüse mit Hühnchen.
Der Regen hat nachgelassen / wir lernen Lodz kennen.
Ralf wusste, dass die "Piotrkowska"-Straße (4 km lang) nicht nur die längste Einkaufsstraße Polens ist sondern in ganz Europa.



Diese Stadt ist das polnische "Hollylodz".
Anmerkung: Weil nach dem Krieg die Hauptstadt Warschau in Trümmern lag, wurde Lodz zur unbeabsichtigten Filmzentrale.
Auf den "Avenue of Stars" "begegnen" wir Regisseuren, Kameraleuten und Schauspielern.

Wir laufen gerade über die "Piotrkowska"-Straße / sehen unzählige Pflastersteine.
"Was ist das," wollen wir wissen.
Anmerkung:
Es ist das Denkmal der Bürger von Lodz, ein europaweit einzigartiges Bürgerdenkmal unter unseren Füßen.
Es besteht heute aus 17.000 gusseisernen Pflastersteinen, in die die Namen der Einwohner, Stifter und lokalen Institutionen eingraviert sind.
"Ein genialer Tauschhandel", denken wir als wir die Geschichte dazu lesen.
Diese Straße war stark sanierungsfähig, doch die Stadtkasse war leer. Die Stiftung der gleichnamigen Straße hatte eine einfache /geniale Idee: Statt Geld vom Staat zu fordern, fragte man die Bürger.
Für umgerechnet ca. 22 € übernahmen einzelne Bürger die Patenschaft.
Die Straße wurde saniert / die Bürger setzten sich ein ewiges Denkmal.

Durch Zufall entdeckt Sigrid die "Spiegelgasse".
Ralf hatte diese für morgen auf unserem Programm.


Und wieder fragen wir uns: "Wer denkt sich so was Schönes aus?"
Antwort: Es ist ein Kunstobjekt von Joanna Rajkowska.
Sie gestaltete das Mosaik als künstlerische Metapher, nachdem bei ihrer Tochter Rosa Augenkrebs diagnostiziert wurde.
Die Spiegel sollen dabei wie eine Netzhaut wirken und symbolisieren.
Die Lichtinstallation sollte buchstäblich Licht in ihr Leben bringen und das Dunkel erhellen.
Seit 2014 zählt dieses Projekt zu den Hauptattraktionen von Lodz.
Geschäfte über Geschäfte:
Bei sage und schreibe 7 Optikern versucht Sigrid ihr Reinigungsmittel für ihre "harten Linsen" zu bekommen.
Ohne Erfolg!
Den Rest an Besichtigungen heben wir uns für morgen auf.
Werden wir dann auch "Theo" treffen?
49.Tag - Dienstag, 21.07.26
Lodz / PL
0 Km
"The Oscar goes to ...."
Unser Schlafzimmer liegt zur Hauptstraße raus.
Unsere Bedenken waren grundlos. Die Nacht war ruhig / und wir sind ausgeschlafen.
Leider macht uns das Wetter am Morgen Sorgen.
Gut, dass wir gestern den "Farbfilm" - sprich den blauen Himmel - dabei hatten.
Eines der interessantesten Museen von Lodz - nämlich das Stadtmuseum - befindet sich in einer repräsentativen Residenz, die für die Familie eines der wohlhabendsten Textilfabrikanten aus dem 19. Jahrhundert gebaut wurde.
Bauherr war Izrael Poznanski.
Und mit diesem besonderen Haus starten wir an diesem Tag.
Hier lernen wir das Wohnen vor mehr als 100 Jahren und gleich die Stadtgeschichte mit kennen.
Das Entree erinnert uns an die "Villa Hügel" in Essen.
Angaben zum damaligen Hausherrn:
Poznanski (lebte von 1833 bis 1900) war der König der Baumwolle.
Sein Haus ist so gigantisch und prachtvoll, dass man es den "Lausanner Louvre" nannte.
Dem berühmtesten Sohn der Stadt, Mister Artur Rubinstein, hat man "hier" gleich 2 Räume gewidmet.
Auf diesem Foto (1940 aufgenommen) steht er neben einem weiteren Genie: Albert Einstein.
Ob dem Fotografen damals bewusst war, wen er da aufgenommen hatte!
Sämtliche Auszeichnungen (der Oscar, der Emmy) sind hier im Original zu bewundern.
Heute finden u.a. in diesen historischen Räumen Veranstaltungen statt.
Im Garten stellen zeitgenössische Künstler ihre Skulpturen aus.

Angrenzend befindet sich das Einkaufszentrum "Manufaktura".
Wo früher die Maschinen von Izrael Poznanski direkt neben seinem feudalen Wohnhaus dröhnten, shoppt und chillt man heute. Hier trifft coole Industrie-Architektur auf ein modernes Einkaufszentrum, Kinos, Museen und Kunsthallen.
Wie schön muss es sein, "hier" im Winter mit Kufen seine Runden zu drehen.



Und endlich: in dieser Mail (beim Optiker Nummer 9) bekommt Sigrid endlich ihren Kontaktlinsenreiniger.
Wenn schon ein "Grand Hotel" in der Stadt ist, dann müssen wir natürlich dort hin / unseren Tee trinken.
Seit 1888 war dieses Hotel das "Herz" dieser Textilmetropole - mit einem rauschenden Ballsaal für Fabrikanten, Zarengäste und Bohème.
Kirk Douglas, Louis Armstrong und "La Dietrich" übernachteten hier.
Heute ist es nach einer Frischzellenkur zurück als 5-Sterne-Luxus-Hotel.
Sigrid ist von der wunderschönen Lampe im Eingangsbereich so verzaubert, dass sie eine Stufe übersieht und sich erstmal lang legt.
Der Glanz dieses Hauses hat sie "umgeworfen".

Irgendwie blieb dieser Tag grau.
Lodz hat uns gezeigt: Man braucht nicht immer Sonnenschein, um sich in einen Ort / dessen Geschichte zu verlieben.
"Theo" haben wir leider nicht getroffen.
Mit Pizza und Rotwein - in unserem gemütlichen Heim - beenden wir diesen Tag.
Die letzte polnische Großstadt auf dieser Reise steht morgen an.
50.Tag - Mittwoch, 22.07.26
Lodz / PL -- Posen / PL
233.3 Km
"It's Movietime"
Natürlich verlassen wir an diesem Morgen Lodz nicht, ohne uns vorher "Hollylodz" anzuschauen.
Den Rahmen dafür - sprich das Anwesen - stammt von einem weiteren Textilunternehmer des 19. Jahrhunderts - dem Monschauer Karl Scheibler.

Ein perfekter Mittwoch morgen In Lodz im "Museum für Kinematographie" - dem ehemaligen Palast des vorgenannten Textilkönigs Scheibler. Heute öffneten sich die Türen für uns ohne Ticket.
Zwischen nostalgischer Pracht und der magischen Filmwelt - hier sei insbesondere Andrzej Waida genannt - wird schnell klar:
Dieses Haus hat echtes Blockbuster-Potenzial. Die Ausstellung nimmt einen sofort mit auf eine emotionale Reise, die gekonnt den Bogen von der polnischen Filmseele bis nach Hollywood spannt.
Auch der uns (mehr bekannte) Regisseur Roman Polanski hat eine tiefe, persönliche Verbindung zu diesem Haus.



Wer war dieser Andrzej Waida:
Er (1926 - 2016) war Polens cineastisches Gewissen, Kinorebell und Meisterregisseur in einem.
"Das gelobte Land" (erschienen 1975) war wohl sein größter Erfolg / von Martin Scorsese als
"Masterpiece of Polish Cinema" bezeichnet.
Und am 26. März 2006 bat Jane Fonda den sichtlich gerührten Waida auf die Bühne und überreichte ihm den "Ehren-Oscar" für sein Lebenswerk.
Seine Dankesrede hielt er auf polnisch / widmete die goldene Statue der Freiheit und dem Kino seiner Heimat Polen.
Noch heute finden "hier" Dreharbeiten statt wie z.B. der norwegische Horrorfilm "The Ugly Stepsister" - der kürzlich bei den "Oscars" in der Kategorie "Bestes Make-Up und Haarstyling" nominiert wurde.
Unser absolut "oscarreifer" Besuch geht zu Ende.
In Konin (einer 70.000 Einwohnerstadt und ein mittelalterliches Highlight) machen wir - direkt an der Warthe - eine gemütliche "Pommespause".
Wir haben Zeit!


Unterwegs decken wir uns für die "Poznan"-Zeit noch mit Brot und Getränken ein.
Unsere kleine Maisonette-Wohnung befindet sich in einer recht neuen Apartmentanlage.
Durch den Besuch im "Kino-Museum" sind unsere Mobilphones recht "leer".
Wir laden auf / machen uns zu Fuß auf den Weg nach Posen - oder wie der Pole sagt "Poznan".


Nach 2,5 km Fußmarsch erreichen wir die "Oldtown".
Der Altmarkt (Stary Rynek) ist ein wahrhaft architektonisches Postkartenmotiv, das nach jahrelanger Sanierung frisch erstrahlt.

Die überall anzutreffenden "Ziegen" sind keine Touristenattraktion sondern "inoffizielle Stadtheilige".

Das absolute Highlight von Posen passiert jeden Tag um Punkt 12 Uhr am Rathausturm. Da kommen zwei mechanische Ziegenböcke heraus und rammen 12 mal die Köpfe aneinander.
Warum: Weil eine Legende besagt, dass sie einst vor dem Koch flohen und so die Stadt alarmierten. Heute steht halb Polen mit gezücktem Smartphone darunter und feuert die gehörnten Boxer an.
Auf unserem "Nachhauseweg" fallen uns Handwerker auf, die um 19.30 h noch arbeiten / junge Menschen in bester Feierabendlaune.
In der "Oberstadt" finden wir unser Restaurant "Zdolni" - von Ralf aufgrund der guten Rezensionen ausgesucht.
Den leckeren Rest lassen wir uns einpacken.




Dieser Einblick in Posen macht neugierig auf mehr.
Eckdaten zu Posen / Poznan:
- Einwohner: 540.000 (fünftgrößte Stadt Polens)
- Studentenhotspot (über 100.000)
- Boomtown (eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten Polens und extrem hohe Lebensqualität)
- Geburtsstadt von Paul von Hindenburg
Leider sind die Wetteraussichten für den morgigen Tag alles andere als rosig.
Ralf macht es sich an diesem Abend im Doppelbett unterm Dach bequem / Sigrid richtet sich auf der Couch (mit Frischluftzufuhr) ein.
Ein wunderschöner Tag geht zu Ende!
51.Tag - Donnerstag, 23.07.26
Posen / PL
0 Km
"Tugend ist der einzige Adel"
Um 9 h treffen wir uns wieder am Frühstückstisch.
Es regnet - wir können uns Zeit lassen. Zu tun haben wir immer was.
Endlich - um 14 h machen wir uns erneut auf den Weg.
Heute kürzen wir die Strecke etwas ab / nehmen die Straßenbahn, zahlen umgerechnet 57 Cent/Person.

Dem "Residenzschloss" widmen wir unseren ersten Besuch für heute.
Dieses prachtvolle Gebäude auf dem "Przemysl-Hügel" entführt uns auf eine charmante Zeitreise, bei der History (Ausstellung) und Gegenwart (Kino, wir werden "Trauzeugen") sich abwechseln.
Unser Besuch - innen und außen.
Dann laufen wir vorbei an wunderschönen alten Gebäuden zum Freiheitsplatz mit der Fontaine der Freiheit.
Weiter gehts zum Königsschloß / wir gönnen uns einen Blick von "oben"


"Wer bist denn Du," will Sigrid bei diesem
"Radfahrer" wissen:
Dieser Herr stellt den ordentlichen Posener Arbeiter und seine Werte vor: Fleiß, Sparsamkeit, Ordnung und gepaart mit einer Prise Sturheit.
Ihr ist dieser "Malocher" äußerst sympathisch.

Wenn man in Posen nach Highlights googelt, findet man sofort die "Stary Browar" (auf deutsch: alte Brauerei).
Dieses architektonische Meisterwerk verbindet den historischen Industriecharme der alten Hugger-Brauerei aus dem 19. Jahrhundert mit modernem Design, erstklassigen Shopping-Möglichkeiten und wechselnden Kunstausstellungen.
An diesem Wohlfühlort lassen wir uns unseren köstlichen LINDT-Kakao schmecken.


Wir sparen die 1,14 € für die Straßenbahn / laufen den Rückweg.
Um´s Abendessen müssen wir uns keine Gedanken machen - wir freuen uns auf die "Zdolni"-Reste von gestern.
An diesem Abend resümieren wir unsere beiden Tage in Posen:
"Poznan" trägt seinen Charme ohne ganz großes Tamtam - und genau das macht diese Stadt so besonders.
Morgen erreichen wir einen kleinen Ort, den wir bereits zweimal besuchten.
52.Tag - Freitag, 24.07.26
Posen / PL -- Rzeczyca / PL
132,6 Km
"Es gibt nur eine Wahrheit und wir werden sie finden"
Ralf verlässt als erster unsere "Dachwohnung". Unser Gepäck ist bereits längst im Auto.
Sigrid öffnet von oben die Schranke / wirft etwas später den Schlüssel in eine Box / es geht los!
Sigrid stellt fest, dass es recht viele Fotos von ihr und der Stadt Posen gibt - sie hat den Ortsnamen wohl zu wörtlich genommen!
Die nächsten 3 Tage sind wir an einem Ort, an dem wir bereits 2018 und 2024 eine gute Zeit verbrachten.
Und auf das Wiedersehen mit Danuta und Thaddäus (2) freuen wir uns.


Ca. 30 km vor unserem Zielort sehen wir große Waldschäden.
Später erfahren wir von Thaddäus, dass hier vor gar nicht langer Zeit ein Orkan wütete.
Wir sind auf dem direkten Weg nach Świebodzin.
Entlang des Weges verläuft eine kilometerlange "Fahrradautobahn".
Möglich, dass wir auch diese während unserer Radtour 2024 (von der Türkei nach Dortmund) benutzten.


Bis zum einchecken haben wir noch Zeit.
In einem Cafe in der Kleinstadt Świebodzin (Schwiebus der ehemalige deutsche Name) vertreiben wir uns diese mit Kaffee und Kuchen.
Die Atmosphäre ist fast wie 2024 / nur der Saxophonspieler auf dem Marktplatz fehlt.

Danuta und Thaddäus erkennen uns sofort.
Und ihre Location "Pan Thaddäus" hat sich nicht verändert. Sogar das Gespenst im Eingangsbereich sitzt immer noch am Klavier.
Wie bei unseren vorherigen Besuchen gehts zunächst zur "Christus-König-Statue" vor Świebodzin.
Auch dieses Mal "verehren" wir uns vor dieser majestätischen Figur.
Anmerkung: Von der Fertigstellung im November 2010 bis September 2024 war sie die höchste Christusstatue der Welt mit einer Höhe von 53 Metern. Sie wurde dann abgelöst von der Christusstatue in der Provinz Nord Sumatra auf der Insel Samosir mit 61 Metern Höhe.

Und nun sind wir wieder an dem Ort, an dem wir 2024 so herzlich empfangen / phantastisch bewirtet wurden.

Warum beschreiben wir dies so ausführlich - natürlich hat dies einen Grund:
Der Großvater von Ralf wurde am 15. Juni 1886 in Rietschütz, damals noch Brandenburg, geboren.
Also junger Mann verließ er seine Heimat / zog ins Ruhrgebiet, wo er als Bergmann arbeitete / eine Familie gründete.
Bereits seit langem ist Ralf interessiert an seiner Familienhistorie.
Seine Eltern haben ihm ein sorgfältig aufgelistetes Ahnenbuch hinterlassen.
Bei Google Maps hatte Ralf erkannt, dass der alte, verlassene und zugewucherte Friedhof inzwischen zugänglich ist.
Seit seinem letzten Besuch wurde diese letzte Ruhestätte ehrenamtlich reaktiviert. Dutzende zerbrochene Grabsteine wurden geborgen / teilweise in Puzzlearbeit zusammen gelegt.
Wir nehmen Euch nun mit auf eine spannende "Spurensuche":
"Und hier sollen wir was finden," denken wir unisono beim Betreten dieser außergewöhnlichen letzten Ruhestätte.
Sigrid kümmert sich um die linke / Ralf um die rechte Seite.
Und tatsächlich nach kurzer Zeit: "rechts" findet Ralf
2 zum Teil verwitterte Relikte ( Grabsteine ) - ausgestellt auf seinen Nachnamen. Und der kommt sicherlich weltweit nicht so oft vor.

Wir machen Fotos / werden mit Eimer, Wasser und Seifenlauge wiederkommen.

Vorm Abendessen bei Danuta müssen wir erstmal unsere staubigen Schuhe / Füße säubern.
Die "Hausherrin" tischt uns ein - passend zum Anlass - richtiges Festmahl auf.
Und während sie sich um uns kümmert, deckt sie für morgen ein. Ein "Brautpaar" feiert Goldhochzeit.
An diesem Abend leistet "ChatGPT" Sonderschicht.
Ralf und Sigrid "füttern" die KI ohne Ende.
Und tatsächlich: wir finden Erstaunliches aus dem Leben seiner Vorfahren / insbesondere von seinem Großvater, der ins Ruhrgebiet zog und "Großes" vollbrachte, was Ralf bislang nicht bekannt war.
Fortsetzung folgt .....!
53.Tag - Samstag, 25.07.26
Rzeczyca / PL
49,6 Km
"Dracula und Dirty Dancing an einem Tag"
Im großen Saal frühstücken wir. Die Auswahl ist riesig.
Rzeczyca (Rietschütz) ist sehr klein (derzeit 490 Einwohner, früher um 1900, ca. 330 Einwohner)
Die Temperaturen klettern heute über 30 Grad.
Und was fällt uns ein:
auch wir wollen "unter Tage".
Im ca. 20 km entfernten Ort Pniewo (ehemals Osterwalde) befindet sich die "Festungsfront Oder-Warthe-Bogen".
Hintergrund: Die Wehrmacht begann ab 1934/35 mit dem Bau dieser gewaltigen Verteidigungslinie, um die damalige Ostgrenze des Deutschen Reiches zu sichern.
Unter dem Gebiet befindet sich ein kilometerlanges System aus tiefen Tunneln, Bahnhöfen, Kasernen und Munitionsbunkern, das teils rund 50 Meter unter der Erde liegt.
Heute ist es im Winter eines der größten Fledermaus-Schutzgebiete Europas.
Kurioses: in den 1980er Jahren besetzte eine Sekte diese Anlage. In den Katakomben feierten sie illegale Raves, richteten Hochzeiten aus.
Gegenwart: seit 2011 ist diese Anlage offiziell für Besucher aus der ganzen Welt zugänglich, und wird als Museum geführt.
Wir ordern unsere Tickets / warten 90 Minuten auf "unsere" Führung.
Wo wir "oben" schwitzten, schlägt uns in der Tiefe eisige Bunkerluft entgegen. Gut, dass wir unsere Jacken dabei haben.
Diese 90 Minuten Tiefkühl-Abenteuer werden wir so schnell nicht vergessen.
Und hätten wir Bargeld dabei gehabt, hätte uns dieses Militärfahrzeug Huckepack mitgenommen.

Danuta leiht uns Eimer und Lappen. Spülmittel haben wir im Auto, und den Schwamm haben wir von LIDL.
Erneut fahren wir zum Waldfriedhof.
Und siehe da: was etwas Wasser und Spüli - auch nach 130 Jahren - bewirken.
Hier ist das Ergebnis:


Ob wir nochmal an diesen Ort kommen - wer weiß
Inzwischen fanden wir dank KI und Ahnenpass folgendes heraus:
Bei der aufgefundenen Grabplatte mit dem Namen Joh. Dorothea Riebke handelt es sich um Ralf´s Urgroßmutter.
Mittlerweile existiert die 5.Generation.
Bei der zweiten Grabplatte ist der Vorname nicht vollständig erhalten. Wir versuchen zu Hause über das Geburts- und Todesdatum Ermittlungen zum Verwandtschaftsgrad zu erfahren.

Johann Wilhelm Riebke ( Ralfs Großvater ) erfand eine spezielle Grubensicherungslampe zum Anzeigen schlagender Wetter.
Funktionsweise: Steigt der Anteil gefährlicher Grubengase in einem Bergwerk, vergrößert sich die Flamme der Sicherheitslampe.
Die größere Hitze bringt Wasser in einem kleinen Kessel über der Flamme zum Kochen. Der entstehende Druck bewegt einen Kolben.
Über ein Gestänge betätigt der Kolben einen elektrischen Schalter, welcher eine Alarmglühlampe bei Gefahr aufleuchten lässt.
Diese Erfindung wurde im Juli 1922 in der renommierten bergmännischen Fachzeitschrift "Glückauf" offiziell veröffentlicht.
Das entsprechende Patent wurde Anfang der 1920er Jahre erteilt / registriert.
Ralf hat sich vorgenommen seine Ahnen "besser kennen zu lernen".
Das heißt, er "taucht" nach dieser Reise in die Welt von "MyHeritage", Kirchenbücher .... ein!
Bei "Pan Thaddäus" ist das Goldbrautpaar und seine Gäste richtig gut drauf.
An Essen und Trinken mangelt es definitiv nicht / ein DJ sorgt dafür, dass die Tanzfläche gut gefüllt ist.
Sigrid überreicht den Jubilaren einen auf polnisch handgeschriebenen Brief.
Trotz der geschlossenen Gesellschaft bekommen wir unser Essen.
Sigrid erzählte Danuta gestern von ihrer Tanzleidenschaft.
Was macht Danuta: sie zieht Sigrid mit auf die Tanzfläche. Die anderen haben nichts dagegen.
Der erste Song ist "Time of your life".
"Hast Du "Dirty Dancing" im Kino gesehen," fragt Sigrid Danuta. Sie strahlt und bejaht.
Die "Polen" werden uns immer sympathischer.


Wie schön doch unser "Spukhaus" am Abend ist!
Unser Verdauungsspaziergang an diesem Abend machen wir in Richtung eines großen Weingutes.

54.Tag - Sonntag, 26.07.26
Rzeczyca / PL
64,6 Km
"Kalte Küche"
Da Rietschütz wenig bietet, muss man sich schon was einfallen lassen.
Und inzwischen hat auch Sigrid die Ahnenforschung "gepackt".
Mit dem Auto gehts an diesem Morgen zu einer alten (1637 erbaut) Holzkirche.
Die Tür ist zunächst abgeschlossen. Zum Glück treffen wir eine Ehrenamtliche, die uns reinlässt.
Dieser Dame sind wir für diesen Eintritt mehr als dankbar.
Den Nachmittag verbringt Ralf mit Campingstuhl lesend in der Natur.
Sigrid, die gestern Abend zerstochen wurde, traut sich nicht raus, bleibt im Zimmer.
Bei unserem ersten Besuch war unser Abendessen bei Danuta stets "kalt".
Noch heute schwärmen wir davon. Mittlerweile gibts eine Speisekarte mit einigen erwählten Gerichten.
Wir erzählen ihr am Morgen von diesen Erinnerungen und siehe da:
Die selbstgemachte Sülze ist soooo lecker.
"Mach bitte zum Frühstück unsere Rechnung fertig," bitten wir Thaddäus und verabschieden uns von beiden an diesem Abend.

55.Tag - Montag, 27.07.26
Rzeczyca / PL -- Karlsbad / CZ
393,1 Km
"Casino Royal"
Auf Sonne kommt Regen. Und tatsächlich - in der Nacht hatte es richtig geschüttet.
Leider können wir uns an diesem Morgen nicht von Danuta und Thaddäus verabschieden.
Die beiden haben häufig eine 7-Tage-Woche, und heute Morgen musste es auch mal ohne die Beiden gehen,.
Nach dem Frühstück begleichen wir unsere bereits vorbereitete Rechnung.
Sigrid drückt der Angestellten einen "Abschiedsbrief" für Danuta in die Hand.
Etwas später verabschieden wir uns nicht nur von "Pan Thaddäus" sondern auch von Świebodzin.
Noch einmal in Polen voll tanken, auf die Preise in Deutschland schauen wir mit Grauen / dann gehts weiter ins nächste Land: über Deutschland nach Tschechien.
Gerade haben wir Polen verlassen, suchen nach einem Radiosender.
Ab sofort gehts mit "Schlagerradio" weiter.
"Hier" hört Sigrid zum ersten Mal den neuen Song von Johannes Oerding und Peter Maffey "Ein Leben lang ist nicht lang".
Etwas später ist er auf ihrer Playlist.

Auf einmal sind wir in Deutschland.
Orte wie "Hänchen" oder "Allmosen" in der Lausitz lassen uns schmunzeln.
Wir erreichen Sachsen / fahren durchs Erzgebirge / passieren den Fichtelberg.
Schilder mit "Räucherkerzenland" und "Räuchermännchenmusium" und 15 Grad versetzen uns fast in "Weihnachtsstimmung".



Um 14.30 h erreichen wir unser Quartier in den "Hills" von Karlsbad.
Unterwegs deckten wir uns in einem "BILLA" für die Zeit im tschechischen Seebad ein.
"Ich würde gerne an meinem Geburtstag zur Kosmetikerin gehen," meint Sigrid.
Bei Google Maps hat sie "Glow" entdeckt - nur 210 m von unserem Apartment entfernt.
Sie läuft hin / will sich anmelden.
Und siehe da: "Closed!"
Vor Jahren besuchten wir an einem Nachmittag Karlsbad. Die Erinnerungen daran wollen wir nun auffrischen.
Vorher reservieren wir im "Smichovky Pavilon" für 18.30 h einen Tisch.
Es geht nur bergab.
Die Oldtown ist - wie damals - wunderschön. Das Publikum an diesem Nachmittag weniger.
Sigrid schaute sich gestern Abend via YouTube eine ZDF-Doku über das hiesige Grandhotel "PUPP" an.
Seit dem weiß sie, wo sie morgen ihren Geburtstagskaffee trinkt.
Damit es auch klappt, meldet sie uns an / zeigt ihren Ausweis.
"Reserviert 28.7.2026, 14.30 h, auf den Namen "Vollmann" (Sigrids Mädchennamen).

Im Kaiserbad bezahlen wir Eintritt.
Die Location, wo "James Bond" gedreht wurde, wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Der große Saal diente als Kulisse für "Casino Royal".


Auf unserem Weg durch diesen Neorenaissance-Bau bemerkt Ralf pinkfarbenes Neonlicht.
Im Vorfeld las Sigrid, dass in diesem Sommer Kinoklassiker hier aufgeführt werden.,
Heute sogar "Brigitte Jones".
Und diese Location ist genial.
Kaum vorstellbar, dass dieses "Karlsbad" 1994 geschlossen und dem Verfall überlassen wurde, ab 2008 gesichert und aufwendig saniert wurde, ab 2023 als Kulturdenkmal wiedereröffnet wurde.
Unseren "Verdauungsspaziergang" machen wir bereits vor unserem Abendmahl.
Von der Oldtown bis zu den Hills gehts steil nach oben.
Um 20 h beenden wir unser Tagesprogramm / legen die Beine hoch.

56.Tag - Dienstag, 28.07.26
Karlsbad / CZ
0 Km
"Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" (Buch von Richard David Precht)
Heute wird gefeiert - Sigrid hat Geburtstag.
Einer der ersten Gratulanten ist Ralf.
Sigrid freut sich mega über Ralfs (KI)Foto / mag ihre "Twins" richtig gerne.
Während unseres Frühstücks trudelt eine Gratulation nach der anderen rein.
Schön, dass es WhatsApp und Instagram gibt.


Bis wir zu "PUPP" gehen, schlendern wir erneut durch Karlsbad.
Heute nehmen wir die linke Seite der City in Angriff, landen bei "Becherovka".
Wer von Euch hat schon mal einen "Becherovka" getrunken? Gibts in vielen deutschen Supermärkten.

Entstehungsgeschichte:
1807 tüftelt der Apotheker Josef Becher ein Rezept aus.
Ein britischer Arzt hilft ihm bei der Kräutermischung.
Zuerst wird das Ganze als Medizin gegen Magenschmerzen verkauft. Später macht Becher jun. daraus eine Weltmarke / baut die erste große Fabrik.
Nach dem 2. Weltkrieg wird die deutsche Familie Becher vertrieben.
Die tschechische Regierung verstaatlicht die Produktion.
Heute gehört diese "Marke" zum globalen Spirituosen-Riesen Pernod Ricard.
Auch heute noch ist das Rezept dieses "Hochprozentigen" (38 %) streng geheim.
Nur 2 Menschen weltweit kennen das exakte Rezept.
Einmal pro Woche mischt einer von ihnen die Kräuter in einem geheimen Raum an.
Sicherlich werden wir ab sofort bei jedem Gläschen Becherovka an diese wunderbare Entstehungsgeschichte denken.
Auf dem Weg ins "PUPP" entsteht dieses "offizielle" "Wieder ein Jahr älter"-Foto von Sigrid.


Ein Geburtstag ohne Kuchen (und mit Vorliebe im "besten Haus der Stadt") geht bei Sigrid gar nicht.
Berühmt wurde Johann Georg Pupp, der Gründer dieser Hotel-Dynastie, durch "diesen" Kuchen - bei dem der Biskuitboden großzügig mit "Becherovka" getränkt wird.
Der als Kuchen "getarnte Cocktail" hat uns beiden richtig gut geschmeckt.
Wenn wir schon mal in diesem Hotel sind, wollen wir uns auch umschauen.
Die Dame an der Rezeption lässt uns gewähren. Bei unserem Rundgang "begegnen" wir John Travolta und Renée Zellweger.
Johann Wolfgang Goethe, Napoleon Bonaparte, Richard Wagner u.v.m. stehen im Gästebuch des über 300-jährigen Hotels.
Im "BILLA" kauft Sigrid nicht nur Lebensmittel fürs morgige Frühstück ein.
Heute Abend machen wir selber was.
Und Sigrid kann dabei auf ihre Glückwünsche reagieren,
"Wo ist die Zeit geblieben?" fragen wir uns.
In wenigen Stunden gehts in den letzten Ort dieser langen Reise / ab morgen wird wieder Deutsch gesprochen!
57.Tag - Mittwoch, 29.07.26
Karlsbad / CZ -- Leipzig / D
188,7 Km
"Korrektur der Zeit" (Song von Gil Ofraim)
Bereits vorm Wecker werden wir wach.
Fröhliche / orange gekleidete Männer der städtischen Müllabfuhr machen draußen ihren Job - einer sogar mit Sommerhut.
Wie immer - auch an diesem Morgen - der gleiche Ablauf: frühstücken, zusammen packen, los geht's.
Dass, was wir heute und morgen benötigen, stopfen wir in unsere Rucksäcke.
Ca. 30 Minuten nach Abfahrt sind wir in unserem Heimatland / und das in mehr als 1.000 Meter Höhe.
Sowohl das "Deutschland"- als auch das "Sachsen"-Schild begrüßen uns.


Über den Fichtelberg gehts Richtung Chemnitz.
Es geht rauf und runter.
Die Fahrtstrecke bis Leipzig - viel durch die Natur - gefällt uns.

Was uns hingegen überhaupt nicht gefällt, ist der erste "Berührungspunkt" mit Leipzig: der Ortsteil Connewitz.
Ralf fährt durch diesen Vorort / ich videographiere.
Wo sind wir gelandet:
Connewitz ist Leipzigs raue Romantik: ein buntes Biotop aus Punk, Politik und Pflastersteinen.
Wir sind entsetzt.

Unweit davon - im Stadtteil Probstheida - ist ein Monument der ganz besonderen Bedeutung: das Völkerschlachtdenkmal.
Zunächst stehen wir an einem riesigen See mit Blick auf den 91 m hohen Klotz aus Granitporphyr.
Für unsere Tickets zahlen wir 12 € / tauchen anschließend in die Welt Napoleons.
Warum hat dieses "Denkmal" so eine Bedeutung:
Hier haben 1813 rund eine halbe Million Soldaten aus ganz Europa aufeinander eingeprügelt. Es war die größte Schlacht des 19. Jahrhunderts, bei der Napoleon Bonaparte so richtig eins auf den Deckel bekommen hat und flüchten musste.
Dieses Denkmal ist im Prinzip ein riesiger, steinerner Grabstein und Mahnmal für die über 100.000 Männer, die das damals nicht überlebten.
Die 4 Figuren im Inneren der Ruhmeshalle stehen für: Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft und Opferfreudigkeit.
In einem Kinosaal verfolgen wir die Geschichte über dieses Denkmal / die Geschichte Leipzigs.
Auf dem Rooftop - wir steigen 367 Stufen hoch - haben wir einen Panoramablick über Leipzig.
Während Ralf danach zum Parkplatz läuft, macht Sigrid einen Schlenker auf den benachbarten "Südwestfriedhof" von Leipzig.
Sie besucht das Grab des kosmopolitischen Dirigenten Kurt Masur.
Schwer zu finden ist es nicht - obwohl diese Ruhestätte riesig ist.
Obwohl Masur in Schlesien (1927) geboren wurde / in New York 2015 verstarb, wurde er in Leipzig beerdigt.

Sigrid fragt die KI nach diesem Grund:
Kurt Masur war jahrelang als Dirigent im hiesigen "Gewandhaus" tätig / ist Ehrenbürger der Stadt Leipzig.
Er setzte sich im Herbst 1989 erfolgreich für gewaltfreie Lösungen ein.
Masur holte seinerzeit SED-Funktionäre, einen Theologen und Kabarettisten in sein Haus. Gemeinsam verfassten sie den Aufruf "Keine Gewalt!"
Die Familie plädierte für diese letzte Stätte. Masur´teilt sich die Grabstätte mit seiner japanischen Ehefrau.
Auf der anderen Seite schneidet eine Friedhofsgärtnerin eine Hecke zurecht. Sigrid spricht sie an.
Ihr erstes Arbeitsjahr war 2015, Noch heute erinnert sie sich an die Anteilnahme während der Beisetzung Masur´s im Jahr 2015.
Gegen 14.30 h sind wir am Hotel "Bayrischer Platz". Unser Zimmer im 1. OG ist bereits bezugsbereit.
Ab 15 h sind Kaffee und Plätzchen in der Lobby Bar des Hotels kostenlos. Uns ist nach Kaffee.
Dabei laden wir unsere Handys voll.
Bei hochsommerlichen Nachmittagstemperaturen machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt..
Unser ursprünglicher Plan war ein Treffen mit Sonja und Volker aus Leipzig.
Beide können nicht / haben uns via WhatsApp Highlights ihrer Stadt geschickt. Ralf hatte auch einiges ausgesucht.
Das klingt nach viel Laufen / fotografieren / besichtigen.
Wir ziehen los, besuchen die Nikolaikirche und tauchen ein in Leipzigs berühmtes Passagensystem (wie z.B. Specks Hof, Mädler-Passage und Strocksack-Passage).
Die Deckenmalereien und der edle Charme verschlägt uns fast die Sprache.
Viele prachtvolle, sanierte Gründerzeithäuser finden wir an jeder Ecke.
Und dann der Kontrast am späten Nachmittag: der Leipziger Hauptbahnhof.
Drinnen zwar eine riesige Shopping-Mall, aber draußen holt uns die harte Realität ein.
Sigrid denkt beim Anblick dieses Bahnhofsmilieus der Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ein, aber mittlerweile ein typisches Bild deutscher Großstädte.



Schräg gegenüber des Hauptbahnhofs befindet sich das Hotel "The Westin", in dem der Sänger Gil Ofraim 2021 ein Video veröffentlichte, in dem er einen Hotelmitarbeiter fälschlicherweise antisemitische Beleidigungen vorwarf.
Genug für heute! Den Rest machen wir morgen!
Bei einem "Chinesen" - unweit unseres Hotels - ordern wir "süß-sauer".
Hat uns das Wetter oder unser Programm oder beides zusammen uns so geschlaucht.
Wir wollen nur noch duschen / ins Bett gehen.


Selbst für ein Bier im "Bayrischen Bahnhof Gasthaus" in unserer Nachbarschaft sind wir heute nicht mehr zu haben,
Vor mehr als 20 Jahren fuhren von diesem Bahnhof oberirdisch Züge. Heute läuft alles nur noch durch ein Tunnelsystem.
"Aktenzeichen XY" (das sehen wir immer) lassen wir ausfallen, schauen dies von zu Hause aus in der Mediathek an.
Morgen schlüpfen wir in die Trenchcoats, setzen dunkle Brillen auf und gehen undercover:
"Das Stasi-Museum" wartet auf uns.
58.Tag - Donnerstag, 30.07.26
Leipzig / D
0 Km
"Ein Leben lang ist nicht lang" (aktueller Song von Oerding und Maffey
Trotz offenem Fenster - es war zu warm / zu laut, um gut und länger zu schlafen.
Unser vorletzter Tag bricht an.
48 € wollen wir für unser Frühstück nicht zahlen.
Ralf hatte via Google Maps einen Bäcker in einer benachbarten EDEKA-Filiale gesehen. Leider gibts dort keine Sitzgelegenheiten.
Gegenüber unserem Hotel befindet sich das Cafe "LUKAS"
Angeblich soll in der benachbarten Universitätsklinik ein Besuchercafe sein.
Sigrid findet, dass sich für unseren Bericht sicherlich ein "Krankenhausfrühstück" besser als ein Brötchen aus einem Cafe macht.
Wir sind die einzigen Gäste an diesem Morgen in dieser Cafeteria.
Vorbei am "Neuen Rathaus Leipzig" sind wir um 11 h am/im "Stasi-Museum" an der "Runden Ecke", / zahlen je 5 € Eintritt / "lochen" ein.
Ralf mit Audio-Guide, Sigrid zunächst auch mit - später ohne.


Nach Punkt 15 bricht Sigrid die Audioguideführung ab - warum:
Der vorgenannte Punkt widmet sich dem Schüler Johannes Herklotz.
Dieser reichte in seiner Schule eine Arbeit ein, in der er Kritik äußerte: u.a. an den schlechten / teuren DDR-Autos, der eingeschränkten Reisefreiheit und einem Vorfall, geschehen am 19.6.1988 in Berlin.
Was passierte dort:
An diesem Abend trat Michael Jackson, das weltweite Idol der 80er Jahre, im Zeichen seiner "BAD"-Tour in West-Berlin vor dem Reichstagsgebäude auf.
Die Bühne stand nahe der Berliner Mauer, so dass der Sound extrem laut nach Ost-Berlin herüberschallte.
Tausende ostdeutsche Jugendliche wollten den "King of Pop" hören.
Das DDR-Regime geriet in Panik, befürchte politische Proteste und ließ gegen die Fans von der Stasi-Einsatzkontrolle mit brutaler Härte vorgehen.
Das alles "packte" dieser Johannes in seinen Aufsatz. Dieser landete nicht nur auf dem Schreibtisch des Lehrers oder Direktors.
Danach wurden Herklotz für seine schulische und berufliche Zukunft Knüppel in die Wege gelegt. D.h. keinen Schulabschluss / kein Abi / keine Aussicht auf einen guten Job.
Aber das Schicksal hatte Gnade mit diesem Schüler: ein Jahr später kam die Wende.
Sigrid "erfindet" ab sofort (ohne Audio Guide) ihre eigene "Spionagegeschichte".
Was hat Menschen aus dieser Diktatur veranlasst, Nachbarn, Freunde und sogar die eigene Familie zu verraten / zu bespitzeln, nur um einem Kontrollsystem zu dienen.
Und dazu brauchte man auch dieses Mittel:

Wieder draußen und wir müssen richtig lachen:
"Lehramt Mathe"

"Auf nimmer Wiedersehen," sagt Sigrid / stellt sich neben ein Stück "Mauer".


"Leipzig" schwitzt an diesem Tage.
In einer Gasse - bestückt mit vielen Restaurants und Sonnenschirmen - ordern wir ein Getränk / kommen so langsam runter von der Hitze und dem Erlebten.
Wir beschließen hiermit das "offizielle Ende" dieser Reise, bei der wir so viel sahen / erlebten.
Gerade angekommen und schon wieder vorbei.
Goodbye Leipzig oder - wie sich diese Stadt gerne vermarkten lässt - "Hypezig".
Im Hotelgarten futtern wir am Abend unsere Döner, lernen dabei ein junges Team - hier im Auftrag des weltgrößten "Flügel-Verleihers" tätig - kennen.
Und siehe da: wir alle kommen aus NRW.
Und da gehts morgen hin - nämlich nach Hause.
59.Tag - Freitag, 31.07.26
Leipzig / D -- Dortmund / D
414,3 Km
"... und ganz doll Dich"
So leicht fällt uns das Aufstehen auch nicht immer.
Nach fast 2 Monaten Abstinenz zieht´s uns nun mit aller Gewalt nach Zuhause.
Im "Lukas" frühstücken wir.
Kurz nach 7 h sitzen wir im Auto / verlassen unsere Leipziger Adresse.
Mehr als 400 km trennen uns von Leipzig bis zu unserer privaten Adresse.
Google Maps zeigt uns optimistisch die Ankunftszeit kurz nach 12 h an.
Es ist Freitag / Berufsverkehr - wir sind skeptisch.

Es dauert nicht lange, da liegt Leipzig bereits hinter uns.
Für die Freizeit-Hotspots "Freizeitpark Belantis" und den "Cospudener See" haben wir heute keine Zeit.
"Ich google mal diesen See," denkt Sigrid / macht sich an die Arbeit / findet diese niedliche Geschichte:
"Inmitten des Cospudener Sees - auf einer winzigen Insel gelegen - ragt ein gelber Postbriefkasten / umringt von witzigen Flamingofiguren / aus dem Wasser.
In diese "Mailbox" werfen
Menschen ihre Grußkarten ein. Er wird wöchentlich geleert / jeder Brief erhält vorm Versenden einen Sonderstempel."
Die Autobahn ist fast leer.
Der Nachhauseweg führt uns durch 6 Bundesländer (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen, Hessen und NRW).
Und immer noch hören wir "Schlagerradio" - gerade läuft "Ich mag" von Volker Lechtenbrink aus dem Jahre 1981.
"Wie schön ist dieser Text," sagt Sigrid.
"Ich mag Countrysongs und Rocks, Skat mit Ramsch und Bock,
lang spazieren gehen, Winde, die stark wehen.
All das mag ich und ganz doll Dich ...".
Google hats drauf: Tatsächlich - kurz nach 12 h parken wir vor unserem Haus.
Trotz 12 Baustellen und 414,3 km.

Bis auf eine kurze Unterbrechung waren wir 3 Monate unterwegs.
Jetzt heißt es wieder zu Hause ankommen / alles auf Vordermann bringen.
Und - wenn uns danach ist - dann beginnen wir mit unserer Homepage-Aktualisierung.
Wie die Zeit danach für uns war - das beschreiben wir in einem gesonderten Epilog.
Schön, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt.
E p i l o g:
59 Tage, 7 Länder, 5 Hauptstädte - und jede Menge Regen. Zum Glück hat die Sonne gelegentlich auch mal vorbeigeschaut.
Ralfs Reiseplan war originell, ausgeklügelt und erstaunlich gut.
Aber wie das auf unseren Reisen so ist: die besten Geschichten standen natürlich nicht im Plan.
Keiner der 59 Tage war wie der andere.
Und dann wurde die Reise durch Ralfs Ahnen-Spurensuche sogar noch richtig persönlich: Zwei Grabsteine gefunden - da kann man schon mal von einem erfolgreichen "Familientreffen" sprechen.
Am Ende passt unser Titel "Wind of Change" einfach perfekt - nicht nur wegen Polen, Litauen, Lettland und Estland, sondern auch, weil auf dieser Reise ständig irgendwas anders kam als gedacht.
Und genau so wurde diese Reise was ganz Besonderes für uns.
Was bleibt? 59 Tage, unzählige Erinnerungen - und schon wieder Fernweh.
Wir bedanken uns bei allen, die sich für diese / unsere Reisen interessiert/-en.
Macht's gut - und falls Ihr uns sucht: Wir sind wahrscheinlich schon wieder unterwegs.
Instagram: rasidoontour





































































































































































































































































































































































































































































































































